Die Atlantik-Charta

    Die Erklärung von St. James

    Die Atlantik-Charta

    Die Erklärung der Vereinten Nationen

    Moskau und Teheran

    Die Konferenzen von Dumbarton Oaks und Jalta

    Die Konferenz von San Francisco

    Zwei Monate nach der Londoner Erklärung erfolgte der nächste Schritt hin zu einer Weltorganisation, nämlich das Ergebnis eines Treffens zwischen US-Präsident Roosevelt und des britischen Premierministers Churchill.

    Im August 1941 hatten die Achsenmächte immer noch Aufwind - zumindest schien es so - und die sorgfältig inszenierten Treffen zwischen Hitler und Mussolini, die im "perfekten Abkommen" endeten, ließen nichts Gutes ahnen. Deutschland hatte zwar bereits die Sowjetunion angegriffen, aber die Stärke des neuen Alliierten sollte sich erst noch zeigen. Die Vereinigten Staaten, obwohl sie moralischen und materiellen Beistand leisteten, waren noch nicht in den Krieg eingetreten.

    Eines Nachmittags kam die Nachricht, dass US-Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill "irgendwo auf dem Meer" konferierten. Es waren die selben Gewässer, in denen die Atlantikschlacht stattfand. Am 14. August gaben beide Politiker eine gemeinsame Erklärung ab, die als die Atlantik-Charta in die Geschichte einging.

     

    "Irgendwo auf dem Meer" US-Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill beim historischen Treffen auf der U.S.S Augusta, bei dem die Atlantik-Charta am 14. August 1941 unterzeichnet wurde.

    Dieses Dokument war weder ein Vertrag zwischen beiden Mächten, noch ein endgültiger und formeller Ausdruck der Friedensziele. Es war lediglich eine Bestätigung, wie das Dokument besagt, "gewisser gemeinsamer Grundsätze der nationalen Politik beider Länder, auf denen sie die Hoffnung für eine bessere Zukunft der Welt gründen".

    Zwei der acht Punkte der Atlantik-Charta beziehen sich direkt auf eine Weltorganisation.

    "Nach der endgültigen Zerstörung der Nazi-Tyrannei", sieht der sechste Paragraph vor, "hoffen sie auf Frieden, der allen Nationen die Möglichkeit bietet, innerhalb der eigenen Grenzen sicher zu leben, und der allen Menschen die Sicherheit gibt, in ihren Ländern frei von Not und Furcht zu leben".

    Der siebte Paragraph besagt, dass dieser Friede allen Menschen ermöglichen soll, ohne Hindernisse die Meere und Ozeane zu überqueren, und im abschließenden Paragraph umreißt das Dokument eine Friedensorganisation.

    "Sie glauben, dass alle Nationen der Welt, sowohl aus praktischen wie aus sittlichen Gründen, dazu kommen werden, auf Gewaltanwendung zu verzichten. Da kein künftiger Friede aufrecht zu erhalten ist, solange die Rüstungen zu Land, zur See und in der Luft von Nationen weiterhin zum Angriff außerhalb der Grenzen eingesetzt werden, glauben sie auch, dass es wesentlich ist, diese Nationen zu entwaffnen, bis ein umfassenderes und dauerhaftes System der allgemeinen Sicherheit geschaffen worden ist. Sie wollen gleichzeitig alle anderen praktischen Maßnahmen unterstützen, die die friedliebenden Völker von der Last der Rüstung befreien."

    Andere Punkte der Atlantik-Charta bekräftigen die grundlegenden Prinzipien internationalen Rechts:
    Keine Vergrößerung des Territoriums; keine territorialen Änderungen, die nicht im Einklang mit dem Willen der betreffenden Völker stehen; das Recht aller Völker, ihre Regierungsform selbst zu wählen und im gleichen Maß Zugang zu den Rohstoffen zu besitzen.

    Eine konstruktive Aufgabe für die zukünftige internationale Organisation erkennt man auch im fünften Paragraph, der besagt, dass die beiden Staatsmänner wünschen, uneingeschränkte wirtschaftliche Zusammenarbeit aller Völker mit dem Ziel, allen Menschen bessere Arbeitsbedingungen, wirtschaftlichen Fortschritt und soziale Sicherheit zu gewährleisten.

    Von zwei großen demokratischen Regierungschefs stammend und mit dem vollen moralischen Rückhalt der Vereinigten Staaten, hinterließ die Atlantik-Charta einen tiefen Eindruck auf die Alliierten. Es war eine hoffnungsvolle Botschaft für die besetzten Länder und stellte das Versprechen auf eine Weltorganisation dar, die auf die dauerhafte Wahrheit der internationalen Moral begründet ist.

    Dass sie nur geringe Rechtsgültigkeit besaß, entzieht ihr nicht ihren Wert. Wenn der Wert eines Vertrags in der Aufrichtigkeit der Absicht liegt, dann kann keine Bekräftigung des gemeinsamen Vertrauens zwischen beiden friedliebenden Nationen wichtiger sein.

    Unterstützung für die Prinzipien der Atlantik-Charta und ein Versprechen zur uneingeschränkten Zusammenarbeit wurde auf einem Treffen von zehn Regierungen in London geleistet, kurz nachdem Winston Churchill von seinem Treffen auf dem Atlantik zurückkam. Diese Erklärung wurde am 24. September von der Sowjetunion und neun Regierungen des besetzten Europa unterzeichnet, nämlich von Belgien, Griechenland, Jugoslawien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, der Tschechoslowakei und von Vertretern des französischen Generals Charles de Gaulle.