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UNIS/INF/574
6. Juli 2021

Bericht über die Ziele für nachhaltige Entwicklung 2021:

Die nächsten 18 Monate sind entscheidend für die globalen Bemühungen, die Folgen der Pandemie rückgängig zu machen und die Maßnahmen zum Erreichen der wichtigsten Ziele voranzutreiben

Auch wenn die Pandemie jahrzehntelange Entwicklungserfolge zunichte macht, zeigen die Maßnahmen Anzeichen für ein erneutes globales Engagement zur Beschleunigung der SDG-Fortschritte

NEW YORK, 6. Juli(UNO-Informationsdienst) Immer mehr Länder und Gemeinschaften erkennen die Notwendigkeit, die Bemühungen zum Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu verstärken, angesichts des Tributs, den die COVID-19 Pandemie für die Menschen auf der ganzen Welt gefordert hat. Das ist das Ergebnis des Berichts über die Ziele für nachhaltige Entwicklung 2021, der heute von den Vereinten Nationen veröffentlicht wurde.

Die Entscheidungen und Maßnahmen, die in den nächsten 18 Monaten getroffen werden, werden darüber entscheiden, ob die Pandemiepläne die Welt auf einen Kurs bringen, um die global vereinbarten Ziele zu erreichen, die darauf abzielen, das Wirtschaftswachstum und das soziale Wohlergehen zu steigern und gleichzeitig die Umwelt zu schützen.

Laut dem Bericht, der die globalen Bemühungen zum Erreichen der SDGs misst, hat COVID-19 das Leben und die Lebensgrundlagen der Menschen stark beeinträchtigt. Während die Fortschritte für das Erreichen der SDGs schon vor der Pandemie nur langsam vorankamen, wurden im Jahr 2020 zusätzlich 119 - 124 Millionen Menschen in die Armut zurückgedrängt. Ein Äquivalent von 255 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen ging verloren. Die Zahl der Menschen, die bereits vor der Pandemie an Hunger litten, könnte sich um 83 - 132 Millionen erhöht haben.

Die Pandemie hat Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern aufgedeckt und verschärft. Bis 17. Juni 2021 lag die Impfquote (Erstimpfungen) in Europa und Nordamerika bei rund 68%, in Afrika südlich der Sahara dagegen bei weniger als 2%. Bis zu zehn Millionen mehr Mädchen werden durch die Pandemie im nächsten Jahrzehnt von Kinderheirat bedroht sein. Der Zusammenbruch des internationalen Tourismus trifft die kleinen Inselentwicklungsstaaten unverhältnismäßig stark.

Die wirtschaftliche Abschwächung im Jahr 2020 hat die Klimakrise kaum gebremst. Die Konzentration der wichtigsten Treibhausgase stieg weiter an, während die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,2 °C über dem vorindustriellen Niveau lag, gefährlich nahe an der im Pariser Abkommen festgelegten Grenze von 1,5 °C.

Die globalen Ströme ausländischer Direktinvestitionen fielen im Jahr 2020 um 40 % im Vergleich zu 2019. Die Pandemie hat immense finanzielle Herausforderungen mit sich gebracht, insbesondere für Entwicklungsländer – mit einem signifikanten Anstieg der Schuldenproblematik.

Die Agenda 2030, die 2015 von allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, bietet einen gemeinsamen Entwurf für Frieden und Wohlstand für die Menschen und den Planeten, jetzt und für die Zukunft. Ihr Herzstück sind die 17 Ziele zur Verbesserung von Gesundheit und Bildung, zur Verringerung von Ungleichheit und zur Steigerung des Wirtschaftswachstums – und das alles bei gleichzeitiger Bekämpfung des Klimawandels und dem Schutz unserer Ozeane und Wälder.

Um die SDGs auf den Weg zu bringen, müssen dem Bericht zufolge Regierungen, Städte, Unternehmen und Industriebereiche den Aufschwung nutzen, um kohlenstoffarme, widerstandsfähige und inklusive Entwicklungspfade einzuschlagen, die Kohlenstoffemissionen reduzieren, natürliche Ressourcen erhalten, bessere Arbeitsplätze schaffen, die Gleichstellung der Geschlechter vorantreiben und wachsende Ungleichheiten bekämpfen.

"Wir befinden uns an einem kritischen Punkt in der Geschichte der Menschheit. Die Entscheidungen und Handlungen, die wir heute treffen, werden bedeutsame Konsequenzen für zukünftige Generationen haben", sagte Liu Zhenmin, Untergeneralsekretär der Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen. "Die Lektionen, die wir aus der Pandemie gelernt haben, werden uns helfen, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Lassen Sie uns gemeinsam den Moment ergreifen, um dieses Jahrzehnt zu einem Jahrzehnt des Handelns, der Transformation und der Wiederherstellung zu machen, um die SDGs zu erreichen und das Pariser Klimaabkommen einzuhalten."

Die Bemühungen zur Bewältigung der Pandemie haben auch gezeigt, dass Gemeinschaften sehr widerstandsfähig sind, Regierungen entschlossen handeln, soziale Absicherung schnell ausgebaut wird, digitale Transformation beschleunigt wird und in einer einzigartigen Zusammenarbeit lebensrettende Impfstoffe und Behandlungen in Rekordzeit entwickelt werden. Laut dem Bericht sind dies solide Grundlagen, auf denen wir aufbauen können, um den Fortschritt bei den SDGs zu beschleunigen.

Einige weitere wichtige Fakten und Zahlen:

  • Die weltweite Quote der extremen Armut ist zum ersten Mal seit 1998 gestiegen, von 8,4 % im Jahr 2019 auf 9,5 % im Jahr 2020.
  • Zwischen dem 1. Februar und dem 31. Dezember 2020 kündigten Regierungen auf der ganzen Welt mehr als 1.600 meist kurzfristige Sozialschutzmaßnahmen an.
  • Pandemiebedingte Schocks werden wahrscheinlich einen Anstieg von Entwicklungsverzögerungen auslösen, von dem bereits mehr als eines von fünf Kindern betroffen ist.
  • Die Pandemie hat die Fortschritte im Gesundheitswesen aufgehalten oder umgekehrt und stellt über die Krankheit hinaus eine große Bedrohung dar. Etwa 90 % der Länder berichten immer noch von einer oder mehreren Unterbrechungen der wesentlichen Gesundheitsdienste.
  • Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Schulbildung sind eine "Generationenkatastrophe". Weitere 101 Millionen Kinder und Jugendliche fielen unter das Mindestniveau der Lesefähigkeit und machten damit die in den letzten zwei Jahrzehnten erzielten Bildungsgewinne zunichte.
  • Die COVID-19 Pandemie hat die Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter beeinträchtigt: Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat sich verschärft; es wird erwartet, dass die Zahl der Kinderheiraten zunimmt; Frauen haben unverhältnismäßig stark unter dem Verlust von Arbeitsplätzen und der zunehmenden Pflegearbeit zu Hause gelitten.
  • 759 Millionen Menschen waren 2019 nach wie vor ohne Strom und ein Drittel der Weltbevölkerung hatte keinen Zugang zu sauberen Kochbrennstoffen und Technologien.
  • Eine wirtschaftliche Erholung ist im Gange, angeführt von China und den Vereinigten Staaten, aber für viele andere Länder wird nicht erwartet, dass das Wirtschaftswachstum vor 2022 oder 2023 auf das Niveau vor der Pandemie zurückkehrt.
  • Die Welt verfehlte die für 2020 gesetzten Ziele, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, und zwischen 2015 und 2020 gingen jedes Jahr zehn Millionen Hektar Wald verloren.
  • Die offizielle Netto-Entwicklungshilfe stieg 2020 zwar auf insgesamt 161 Milliarden US-Dollar, bleibt aber immer noch weit hinter dem zurück, was benötigt wird, um auf die COVID-19 Krise zu reagieren und das seit langem festgelegte Ziel von 0,7 % des Bruttonationaleinkommens zu erreichen.
  • Im Jahr 2020 meldeten 132 Länder und Gebiete, dass sie einen nationalen Statistikplan umsetzen, wobei 84 über Pläne verfügten, die vollständig finanziert waren. Nur vier der 46 am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) gaben an, über vollständig finanzierte nationale Statistikpläne zu verfügen.

Dem Bericht zufolge hängen die Bemühungen um einen Aufschwung auch von der Verfügbarkeit von Daten als Grundlage für politische Entscheidungen ab. Die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung für die Datenerhebung, sowohl durch die Mobilisierung internationaler als auch inländischer Ressourcen, wird für diese Bemühungen entscheidend sein. 

Der Bericht über die Nachhaltigen Entwicklungsziele 2021 ist zu finden unter: https://unstats.un.org/sdgs/report/2021/

Pressebriefing

Ein Pressebriefing zum Bericht wird am 6. Juli direkt im Anschluss an das Mittagsbriefing, um ca. 18:15 Uhr MESZ (12:15 EDT), stattfinden, das unter http://webtv.un.org/ gestreamt wird.

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ÜBER DIE BERICHTE ZU DEN NACHHALTIGEN ENTWICKLUNGSZIELEN

Die jährlichen Berichte geben einen Überblick über die bisherigen Umsetzungsbemühungen der Welt und zeigen auf, in welchen Bereichen Fortschritte erzielt wurden und wo weiterer Handlungsbedarf besteht, um die SDGs zu erreichen. Sie werden von der UN-Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten erstellt, mit Beiträgen von internationalen und regionalen Organisationen und dem System der Organisationen, Fonds und Programme der Vereinten Nationen. Nationale Statistiker, Experten der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft tragen ebenfalls zu den Berichten bei.

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MEDIENKONTAKTE

UN-Abteilung für globale Kommunikation
Dan Shepard | +1 212 963 9495| shepard[at]un.org

UN-Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten
Yongyi Min | +1 212 963 9293 | min3[at]un.org