Die Ausgegrenzten
Die unsichtbare Welt der Staatenlosen

Einige staatenlose Personen - wie diese in einem Lager in Bangladesch - sind ebenfalls Flüchtlinge. Die meisten sind jedoch keine. Foto: UNHCR/ G.M.B. Akash

Bis zu 15 Millionen Menschen - was der doppelten Einwohnerzahl Österreichs entspricht - dürften nach Angaben des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) als staatenlos gelten. Dennoch ist sich kaum jemand des Ausmaßes dieses Problems bewusst oder was es bedeutet, staatenlos zu sein.

Die Geschichte

Die Staatenlosigkeit ist ein zerstörerischer, seelentötender Zustand, der auf jeden Aspekt des menschlichen Lebens Auswirkungen haben kann. Menschen, die nicht als Bürger eines Staates anerkannt sind, sind nicht im Stande die Schule zu besuchen, legal zu arbeiten, Eigentum zu besitzen, zu heiraten oder zu reisen. Sie können mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, ein Krankenhaus zu betreten und es ist für sie unmöglich, ein Bankkonto zu eröffnen und eine Pension zu erhalten. Wenn sie jemand beraubt oder vergewaltigt, ist es ihnen nicht möglich, eine Beschwerde einzureichen, weil sie legal nicht existieren. Oft haben sie offiziell nicht einmal einen Namen.

Staatenlose Menschen kann man in jedem Winkel der Erde antreffen - sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern. Es gibt viele Wege, die zur Staatenlosigkeit führen: Manche Menschen wurden aufgrund lange zurückliegender Ereignisse staatenlos, andere wiederum kamen bereits als Staatenlose auf die Welt. Millionen von Menschen sind staatenlos, weil die Länder, in denen sie oder ihre Vorfahren geboren sind, gegründet, erobert, geteilt, aufgelöst, entkolonialisiert oder befreit wurden. Jedes Mal, wenn ein Staat auf eine dieser Arten verändert wird, rückt die Frage, wer Bürger und wer kein Bürger ist, in den Vordergrund. Diejenigen, die während des Prozesses durch das Raster fallen, können oft nirgendwo mehr hingehen. Andere Menschen besitzen keine oder verlieren aufgrund unbeabsichtigter Folgen schlechter Gesetzesentwürfe, eines schwachen Systems für Geburtseinträge, anderer verwaltungstechnischer Versehen oder einfach aufgrund widersprechender Gesetzgebungen in unterschiedlichen Staaten ihre Staatsangehörigkeit. Eine beträchtliche Minderheit bilden die Opfer von schändlichen Formen von Staatenlosigkeit, wie zum Beispiel die absichtliche Ausgrenzung ganzer Gruppen aufgrund von politischer, religiöser oder ethnischer Diskriminierung.

Der Hintergrund

Pressekontakt:

William Spindler
United Nations Office of the High Commissioner for Refugees (UNHCR)
Tel: (+41-22) 739 8332
Email

Nützliche Links:

Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR)

UNHCR Leseempfehlung zur Staatenlosigkeit (Englisch)

REFUGEES magazine, No.147 (Issue 3, 2007) - Special report on statelessness

Refugee Survey Quarterly, Vol. 25 No.3 (2006)

Nationality and Statelessness: A Handbook for Parliamentarians

Refworld - Other Links on Nationality / Statelessness

Übereinkommen über die Rechtsstellung der Staatenlosen von 1954 (Englisch) 

Übereinkommen zur Verminderung der Staatenlosigkeit von 1964 (Englisch)

Gastbeitrag von António Guterres und Louise Arbour über Staatenlosigkeit, November 2007 (Englisch)

UN News Service

Zurück zur Hauptseite