Presseaussendungen

 

Note Nr. 148
23. August 2001

OSTTIMOR: DIE ERSTEN WAHLEN IM JÜNGSTEN STAAT DES
NEUEN MILLENNIUMS STEHEN BEVOR

WIEN, 23. August (Informationsdienst der Vereinten Nationen) -- Der Frieden, der derzeit in Osttimor herrscht, steht im Kontrast zu der blutigen Geschichte dieses Landes während des letzten Vierteljahrhunderts. Osttimor, eine ehemalige portugiesische Kolonie, wurde 1975 von Indonesien annektiert. Während der folgenden Befreiungskämpfe haben in 24 Jahren mehr als 100.000 Menschen ihr Leben verloren.

Der Beginn des Endes der Leidensgeschichte Osttimors war das von der UNO unterstützte Unabhängigkeitsreferendum am 30. August 1999, in welchem sich eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für die Unabhängigkeit Osttimors aussprach. Doch bedeutete das Referendum vorerst nicht ein Ende der Unterdrückung. Pro-indonesische Gruppierungen, unterstützt durch indonesisches Militär, initiierten eine Terrorkampagne gegen die Befürworter eines unabhängigen Osttimor.

Mehr als 2.000 Timoresen wurden während der folgenden Ausschreitungen getötet. Einen Monat nach dem Progrom konnte die United Nations Transnational Administration in East Timor (UNTAET) etabliert werden, mit der Aufgabe eine Nation aufzubauen. Eine Regierung und Institutionen bis hin zu eigenständiger Währung und Staatsflagge mussten innerhalb kürzester Zeit geschaffen werden – eine Aufgabe, wie sie die Vereinten Nationen in ihrer Geschichte noch nicht zu bewältigen hatte.

Nach nunmehr zwei Jahren, haben die Vereinten Nationen ihre Aufgabe bewältigt.

Am 30. August 2001 wird Osttimor in den ersten demokratischen Wahlen in der Geschichte des Landes eine konstituierende Versammlung wählen. Sechzehn politische Parteien und unzählige unabhängige Kandidaten haben ein nationales Abkommen unterzeichnet, das korrektes politisches Verhalten während der Wahlen und danach festschreiben soll. Der Pakt soll vor allem politische Gewalt verhindern. Für die meisten Timoresen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 - war politische Gewalt ein beständiger Teil des Lebens.

Die Unterzeichnung eines Vertrages zwischen Osttimor und Australien im Juli dieses Jahres, der die Aufteilung der Einnahmen aus den Öl- und Gasvorhaben in der Timorsee regelt, ist eine große Leistung der UNO Verwaltung. Der Vertrag sieht vor, dass Osttimor 90 Prozent der Einnahmen aus der Förderung erhält. Dieser Vertrag ersetzt einen älteren Vertrag zwischen Australien und Indonesien, welcher die Einnahmen zu gleichen Teilen aufgeteilt hat. Dieses „Öl und Gas Bonanza", das zwischen 4 und 5 Milliarden Dollar in den nächsten zwanzig Jahren einbringen wird, kann genutzt werden, um die verarmte Region nachhaltig zu entwickeln.

Innerhalb der letzten zwanzig Monate seit Beginn der UNO Mission in Osttimor hat sich das Land wie ein Phönix aus der Asche erhoben. Seit Oktober 1999 haben die UNO Blauhelme erfolgreich jede militärische Bedrohung beseitigt und der Nation ein Gefühl von Sicherheit gegeben, wie sie es seit Jahrzehnten nicht gekannt hat. Nun gibt es in den meisten Teilen des Landes Fliesswasser und Elektrizität, ausgebrannte Häuser ohne Dächer sind zur Seltenheit geworden und mehr als 180.000 Osttimoresen sind aus dem freiwilligen Exil wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

In einem dreimonatigen Projekt wurde die gesamte Bevölkerung für die ersten allgemeinen Wahlen registriert, sowie eine 850 Mann starke Polizeitruppe wurde trainiert und im Land stationiert.

Andere notwendige Einrichtungen für Gesundheitsversorgung, Erziehung, und das Rechtswesen wurden eingerichtet.

„Selbst die schärfsten Kritiker müssen erstaunt sein, was die Vereinten Nationen geleistet haben, indem sie die Asche und den Schutt, den UNTAET zu Beginn vorfand, gemeinsam mit der Bevölkerung in einen funktionierenden Staat, verwandelt haben", sagt Sergio Vieira de Mello, Chef von UNTAET.

Sollten die Wahlen am 30. August friedlich verlaufen – und allen Anzeichen nach werden sie es – werden eine neue Parlamentsversammlung und eine neue Übergangsregierung im September etabliert sein. Als nächstes könnten dann die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr abgehalten werden, wobei Xanana Gusmão, der Führer der Unabhängigkeitsbewegung, derzeit der aussichtsreichste Kandidat ist.

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