Presseaussendungen

SG/SM/7996
OBV/244
17. Oktober 2001

Generalsekretär Kofi Annan:

"Verstärktes Engagement erforderlich, um die Lebensbedingungen der Ärmsten zu verbessern"

NEW YORK, 15 Oktober (UN Headquarters) -- Der 17. October wird als internationaler Tag der Armutsbekämpfung begangen. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat aus diesem Anlass folgende Erklärung veröffentlicht:

Vor nur einem Jahr hatten sich die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen zum Millenniumsgipfel versammelt, um eine Agenda für das 21. Jahrhundert festzulegen - einen Plan, um Freiheit von Furcht, Freiheit von Not, die Erhaltung der Resourcen unseres Planeten und die Erneuerung der Vereinten Nationen zu erreichen. Sie haben versprochen, ihre Völker von "den unwürdigen und unmenschlichen Bedingungen extremer Armut, der gegenwärtig mehr als eine Milliarde Menschen ausgesetzt sind", zu befreien, und beschlossen "bis zum Jahr 2015 den Anteil der Weltbevölkerung mit Einkünften von weniger als einem Dollar pro zu halbieren."

Vor nur einem Monat haben uns die tragischen Ereignisse wieder vor Augen geführt, dass die internationale Gemeinschaft sogar noch enger zusammenarbeiten muss, um die komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Unsere Aufgabe, Armut zu bekämpfen, das Leben der Menschen überall zu verbessern und ihre Verletzlichkeit zu verringern, ist heute wichtiger und dringender als jemals zuvor. Denn der Schlag des 11. September droht auf der ganzen Welt widerzuhallen und viele Millionen Menschen noch anfälliger für Armut zu machen als zuvor.

Heute leben mehr als 1,2 Milliarden Menschen in extremer Armut. Als Folge der Attacken des 11. September erwartet man, dass die Weltwirtschaft deutlich schwächer wird und dadurch hart erkämpfte Entwicklungs-Gewinne bedroht werden. Die Weltbank schätzt bereits, dass im Ergebnis dessen im nächsten Jahr weitere 15 Millionen Menschen ein Leben in Armut führen müssen. Für die Auswirkungen von fallenden Rohstoffpreisen, politischer Spannung, niedrigeren Ölpreisen, geringeren Investitionen, Verlust von Einkünften aus dem Tourismus, hochschnellenden Kosten im internationalen Handel und Flüchtlingsströme werden viele Tribut zahlen müssen, die es sich am wenigsten leisten können.

Es ist klar, dass zusätzliche Anstrengungen dringend notwendig sind, wenn wir die Ziele, die wir uns in der Millenniums Deklaration gesetzt haben, erreichen wollen. Länder müssen effektivere Strategien zur Bekämpfung der Armut, welche die Ziele des Millenniumgipfels im Auge haben und die von der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden, entwerfen. Das Wirtschaftswachstum muss angetrieben werden, aber die Früchte des Wachstums müssen breiter verteilt werden. Regierungen müssen sicher stellen, dass ihre Investitionen in Ausbildung und Gesundheit auch die Armen erreichen. Der Zugang zu Mikro-Finanzierungsmassnahmen muss erleichtert werden. Entwicklungsstrategien müssen sich auf die ländlichen Räume konzentrieren, in denen drei Viertel der Armen dieser Welt leben.

Die Partner in der internationalen Gemeinschaft müssen ein Umfeld schaffen, in dem Entwicklung gefördert wird. Wir müssen sicherstellen, dass eine neue Runde von Verhandlungen über den internationalen Handel im nächsten Monat beginnt, die sich auf Entwicklung konzentriert. Offizielle Entwicklungshilfe muss wieder vermehrt für die Ausfälle an privatem Kapital ausgleichen. Ein breiter angelegter, schnellerer und umfassender Schuldennachlass ist notwendig. Und wir müssen allen politischen Willen mobilisieren, um die im nächsten Jahr stattfindende Konferenz zur "Finanzierung von Entwicklung" zu einem Erfolg zu machen.

An diesem internationalen Tag zur Ausrottung der Armut wollen wir uns vergewissern, dass unsere Bemühungen weiterhin strikt auf die Ziele gerichtet sind, die führende Politiker der Welt für das neue Jahrtausend beschlossen haben. Regierungen arbeiteten miteinander, um uns die Millenniums Deklaration zu geben, und sie müssen nun zusammenarbeiten, diese Vision zum Nutzen der Ärmsten dieser Welt in die Realität umzusetzen.

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