Presseaussendungen

SG/SM/8040
OBV/250
WOM/1303
21. November 2001

UNO-Generalsekretär Kofi A. Annan:

Gewalt gegen Frauen ist ein globales Phänomen

Erklärung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, 25. November 2001

NEW YORK, 25. November - Das Datum des 25. November wurde gewählt in Erinnerung an die drei Schwestern Patria, Maria Theresa und Minerva Mirabal.

Die Schwestern wurden aufgrund ihres Widerstands gegen das dominikanische Trujillo Regime am 25. November 1960 ermordet. Frauen in der ganzen Welt nutzen diesen Tag, um dem Thema Gewalt gegen Frauen öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen folgende Erklärung abgegeben:

Indem wir den zweiten internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen begehen, ist es uns bewusst wie noch nie, dass Gewalt gegen Frauen ein globales Phänomen ist, gegen das kein Land, keine Gesellschaft und keine Gemeinschaft immun ist.

Die jüngsten Ereignisse haben dafür gesorgt, dass dieses Thema noch drängender geworden ist. Die Behandlung von Frauen und Mädchen in Afghanistan in den vergangenen Jahren war ein Affront gegenüber allen Standards der Würde, der Gleichheit und der Menschlichkeit. Jetzt, da wir vor einer bedeutsamen politischen und humanitären Herausforderung in Afghanistan stehen, die auch die Frage der Menschenrechte berührt, wird die Notlage der Frauen eine der wichtigsten Aufgaben für die Vereinten Nationen sein.

Vor einem Jahr haben die Staats- und Regierungschefs in der Milleniums-Erklärung bekräftigt, dass "Männer und Frauen das Recht besitzen, ihr Leben zu leben und ihre Kinder in Würde, ohne Hunger und ohne Angst vor Gewalt, Unterdrückung und Ungerechtigkeit aufzuziehen." Ebenfalls im letzten Jahr hat der Sicherheitsrat zum ersten Mal die Situation von Frauen in bewaffneten Konflikten erörtert und die Resolution 1325 zu verabschiedet. Darin werden alle Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Repräsentation von Frauen auf allen Ebenen der politischen Entscheidungsfindung zu verstärken, wenn über Friedensvereinbarungen verhandelt wird oder diese umgesetzt werden. Dieses wegweisende Dokument rief all an einem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien dazu auf, Frauen und Mädchen vor geschlechtsspezifischer Gewalt, besonders vor Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch, zu schützen. Außerdem betonte sie die Verantwortung aller Staaten, diejenigen strafrechtlich zu verfolgen, die für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, einschließlich sexueller und anderer Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen, verantwortlich sind.

Im selben Jahr haben unsere Mitgliedsstaaten die Unterzeichnung der UNO-Konvention gegen transnationales Verbrechen begonnen, die auch den Menschenhandel, besonders mit Frauen und Kindern verhindern soll.

Diese Verpflichtungen müssen unser Leitbild sein, wenn wir Frauen von der Gewalt befreien wollen, wo immer sie auch leben. Gewalt gegen Frauen ist kein "Frauenthema", sondern betrifft uns alle und besonders Männer. Männer müssen dem entgegentreten, was eigentlich als Gewalt der Männer gegen Frauen bezeichnet werden sollte. Sie müssen auch die gleichberechtigte Rolle und die Rechte der Frauen anerkennen. Wenn es um Gewalt gegen Frauen geht, kann es keine Toleranz und keine zulässigen Entschuldigungen geben.

Lassen Sie uns an diesem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen die Worte eines Mitglieds einer afghanischen Frauengruppe in Erinnerung rufen. Sie sagte: "Die Gesellschaft ist wie ein Vogel. Sie hat zwei Flügel und ein Vogel kann nicht fliegen, wenn ein Flügel gebrochen ist." Lassen Sie uns sicherstellen, dass alle Gesellschaften mit beiden Flügeln, mit gleicher Stärke und gleicher Würde,fliegen können.

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