Presseaussendungen


Note Nr. 178
19. Februar 2002

AUF DER SUCHE NACH EINEM KOMPROMISS ZWISCHEN UMWELTSCHUTZ UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM

Der Weltgipfel zu nachhaltiger Entwicklung als einmalige Chance, eine nachhaltige
Zukunft zu gestalten, Johannesburg, Südafrika, 26. August - 4. September 2002

WIEN, 19. Februar (UNO-Informationsdienst) -- Vom 26. August - 4. September 2002 findet in Johannes- burg, Südafrika, der Weltgipfel zu nachhaltiger Entwicklung statt. Der Johannesburg-Gipfel folgt genau 10 Jahre auf die Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro. Zehntausende Teilnehmer werden zum Gipfel nach Johannesburg kommen, um die Ergebnisse bei der Umsetzung der Agenda 21 zu vergleichen, die 1992 in Rio als Aktionsplan für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet wurde. Der Rio+10-Gipfel in Johannesburg eröffnet außerdem die Möglichkeit, Hindernisse im Umsetzungsprozess zu analysieren und auf dem Wissen des letzten Jahrzehnts aufzu- bauen, um neue Ansätze zur Ressourcenschonung und weltweiten Nachhaltigkeit zu entwickeln.

Das letzte halbe Jahrhundert hat bisher nie dagewesenen wirtschaftlichen Wohlstand für einige von uns gebracht; aber auch tief verwurzelte Armut und Entwicklungsprobleme, ökologische Zerstörung und Verschwendung natürlicher Ressourcen. Ein Fünftel der Weltbevölkerung muss mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen; etwa 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trink- wasser; schlechte Umweltbedingungen tragen zu 25 Prozent der Krankheiten auf der Erde bei; und die Erdbevölkerung wird bis 2050 auf voraussichtlich neun Milliarden anwachsen. So präsentiert sich unsere Welt heute.

„Nachhaltige Entwicklung durchzusetzen ist keine leichte Aufgabe. Bedeutende Änderungen sind not- wendig, wenn wir unser Ziel erreichen wollen: Eine Entwicklung, mit der unsere Bedürfnisse von heute befriedigt werden können, ohne den kommenden Generationen die Möglichkeit zu rauben, auch ihre Bedürfnisse zu befriedigen", warnt Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen. „Wir leben auf einem Planeten, eingebunden in ein empfindliches, kompliziertes Geflecht ökologischer, sozialer, ökonomischer und kultureller Beziehungen, die unser Leben beeinflussen. Wenn wir eine nachhaltige Entwicklung erreichen wollen, müssen wir verantwortungsvoller Handeln," sagt Friedens-Nobelpreisträger Kofi Annan.

Diese Art von höherer Verantwortung wird das Bild unserer künftigen Welt bestimmen. „Zu lange haben wir das Verhältnis zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum falsch eingeschätzt. Wir müssen eine neue Art zu denken einführen – eine, die wirtschaftlichen Wohlstand und Umweltschutz als mitein- ander verbundenes, sich gegenseitig unterstützendes Ziel ansieht", betont Nitin Desai, der UNO-Unter- generalsekretär für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, der auch Generalsekretär des Johannes- burg-Gipfels ist. Unsere Welt braucht eine nachhaltige Entwicklung. Mit einer nachhaltigen Entwicklung können wir die Lebensverhältnisse aller Menschen der Welt verbessern, ohne die natürlichen Ressourcen über ihre Belastbarkeit hinaus zu beanspruchen.

Auf dem Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung wird auf höchster Ebene auch über die Globalisierung verhandelt -- insbesondere über die sozialen, ökonomischen und umweltspezifischen Auswirkungen. „Der Johannesburg-Gipfel 2002 bietet die Möglichkeit, das Streben nach einer nachhaltigeren Zukunft zu erneuern", hofft Kofi Annan.

Der langfristige Erfolg nachhaltiger Entwicklung hängt von neuen Denk- und Handlungsweisen auf allen Ebenen der Gesellschaft ab -- privat wie öffentlich. Darum wird der Johannesburg-Gipfel die Stimmen, Erfahrungen und Hoffnungen von Regierungen, Nichtregierungs-Organisationen, von Wirtschaft und Industrie, Ureinwohnern, Arbeitern und Gewerkschaften, von Wissenschaft und Technik sowie anderen Hauptgruppen aufnehmen.

Während nachhaltige Entwicklung häufig regional unterschiedliche Aktionen erfordert, gibt es doch drei generelle Kernbereiche:

  • Wirtschaftswachstum und Gerechtigkeit - das heutige eng verbundene weltweite Wirtschaftssystem erfordert integrierte Ansätze, um langfristiges Wirtschaftswachstum zu sichern und gleichzeitig sicherzustellen, dass alle Gemeinschaften daran teilnehmen.
  • Schutz natürlicher Ressourcen und der Umwelt -ökologisch tragbare wirtschaftliche Lösungen müssen entwickelt werden, um das Erbe der Umwelt und die natürlichen Ressourcen auch für zukünftige Generationen zu bewahren.
  • Soziale Entwicklung - während sie ihre Grundbedürfnisse erfüllt, muss die Weltbevölkerung sicherstellen, dass der Reichtum kultureller und sozialer Vielfalt respektiert wird und dass alle Mitglieder der Gesellschaft ermächtigt werden, ihre eigene Zukunft mit zu gestalten.

Neue Daten für den Gipfel von der UN-Generalversammlung bestätigt

Am 24. Dezember 2001 nahm die Generalversammlung auf Empfehlung des Zweiten Komitees einen Resolutionsentwurf zum Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung an. In der Resolution entschied die Generalversammlung unter anderem, dass der Gipfel in Johannesburg, Südafrika, vom 26. August bis zum 4. September 2002 abgehalten werden soll, wobei die Beteiligung von Stats- und Regierungsober- häuptern in der Zeit vom 2. bis 4. September vorgesehen ist.

Die 2. Vorbereitungsrunde (PrepCom) begrüßt Arbeitspapier

Teilnehmer der zweiten Vorbereitungtagung (PrepCom), die vom 28. Januar bis 8. Februar 2002 in New York stattfand, begrüssten das Arbeitspapier des Vorsitzenden Emil Salim (Indonesien), das die Verhandlungsgrundlage der nächsten Tagung des Vorbereitungsausschusses ab 25. März in New York bilden wird. Letztendlich soll aus dem Papier das Aktionsprogramm des Gipfels hervorgehen. Der Johannesburg-Gipfel stützt sich ausserdem auf die Empfehlungen des Berichts des Generalsekretärs über die Umsetzung der Agenda 21. Darin ist ein Zehn-Punkte-Plan für vordringlichen Handlungsbedarf enthalten. Dieser schliesst Themen wie Globalisierung, Armut, Gesundheit, Energie, Trinkwasser, Afrika, Finanzierung und Technologie, Produktion und Konsumption, Ecosysteme und Artenvielfalt, und internationale Aufsicht ein.

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UNIS Wien wird Sie über die Vorbereitung des Welt-Gipfels zur nachhaltigen Entwicklung auf dem Laufenden halten. Für weitere Details besuchen Sie bitte auch die offizielle Website der Vereinten Nationen für den Johannesburg-Gipfel: www.johannesburgsummit.org