Presseaussendungen


Pressenotiz

Note Nr. 219
22. Oktober 2002

REGIERUNGEN BEREITEN SICH AUF STARTSCHUSS
FÜR KYOTO-PROTOKOLL VOR

New Delhi-Klimakonferenz bringt saubere Technologie ins Rampenlicht, Angleichung
und nationale Aktionen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen

NEW DELHI, 16. Oktober -- Vom 23. Oktober bis 1. November werden in Neu Delhi die 185 Mitgliedstaaten der UNO-Klimakonvention zusammentreffen, um den verfügbaren Handlungsspielraum von Regierungen und Zivilgesellschaft gegen die Klimaveränderung zu erweitern. Das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls wird für Anfang 2003 erwartet.

"Zu dem Zeitpunkt, wo das Protokoll in Kraft tritt, werden den Industrieländern weniger als 10 Jahre bis zur Erreichung ihrer Kyoto-Ziele zur Reduzierung des Treibhausgasausstosses bleiben", sagte Joke Waller-Hunter, Exekutivsekretärin der UNO-Konvention zum Klimawandel. "Die große Frage lautet, welche praktischen Handlungen werden die Regierungen -- einschließlich jener, die ausserhalb des Kyoto-Protokolls bleiben wollen -- setzen, um die Emissionen zu reduzieren?"

Das Kyoto-Protokoll wird 90 Tage nach der Ratifizierung durch 55 Regierungen in Kraft treten, einschließlich der Industrieländer, auf die mindestens 55 Prozent der von dieser Gruppe im Jahre 1990 verursachten Kohlendioxidemissionen entfallen. Anfang Oktober hatten 95 Parteien ratifiziert, einschließlich Industrieländer, die für 37,1 % der CO2-Emissionen verantwortlich sind. Von Russland und weiteren Staaten wird die Ratifizierung in naher Zukunft erwartet, so dass der Prozentsatz über die erforderliche Schwelle gehoben wird.

„Fortschritte in der Umsetzung sind massgeblich, und mit der Ausrichtung der diesjährigen Konferenz durch Indien hoffe ich auf die Betonung der Belange von Entwicklungsländern," sagte Frau Waller-Hunter. „Diese Belange schließen den Umgang mit Folgen globaler Erwärmung, den schnelleren Transfer klimafreundlicher Technologien sowie die Integration von Klimapolitik in die nachhaltige Entwicklung ein."

Die jüngsten Klimakatastrophen auf der ganzen Welt -- von anhaltender Trockenheit in Indien und den Vereinigten Staaten bis hin zu den Flutkatastrophen in Europa -- haben dabei eindrucksvoll einige der zu erwartenden Folgen globaler Erwärmung veranschaulicht. Die Konferenz in Neu Delhi erörtert die Schaffung einer stärkeren Belastbarkeit, besonders in Entwicklungsländern, um die Verletzlichkeit zu minimieren und sich auf zunehmend zu erwartende Folgen, wie Dürre, Flutkatastrophen, Stürme oder auch gesundheitliche Notfälle einzustellen.

Laut dem zwischenstaatlichen Gremium für Klimawandel erhöhen steigende Temperaturen die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen. Die Intensität tropischer Zyklone wird sich ebenfalls in einigen Regionen verstärken. Großräumige Klimazonen können sich verlagern und etwa zu einer verstärkten jährlichen Veränderung des Niederschlagsniveaus beim asiatischen Monsun und damit verbundenen, stärkeren Trocken- und Regenperioden führen. Es wird zunehmend erkannt, dass besonders Entwicklungsländer Unterstützung benötigen, um mit diesen Auswirkungen umgehen zu lernen. Daher haben Regierungen einen Adaptierungsfond unter Aufsicht des Kyoto-Protokolls eingerichtet, um Projekte und Anpassungsprogramme zu finanzieren.

Entwicklungsländer brauchen zudem besseren Zugang zu innovativen Technologien, um die Treibhausgasemissionen von Energiegewinnung und Produktion zu reduzieren. Der Umsetzungsplan, der beim Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung letztes Monat angenommen wurde, betont die Wichtigkeit der Entwicklung von sauberen Technologien in Schlüsselbereichen, wie etwa dem Energiesektor. Es wird zudem zu größeren Anstrengungen aufgerufen, die Weitergabe von Technologien -- auch durch die Privatwirtschaft -- zu fördern.

Ein anderer wichtiger Punkt ist die Neubetrachtung nationaler Veröffentlichungen zu Emissionswerten und anderen Daten der Mitgliedsländer. Bezugnehmend auf einen Bericht, der in Neu Delhi vorliegen wird, weisen die jüngsten verfügbaren Zahlen (2000) bei den reichsten Ländern (OECD-Mitglieder) eine Emissionssteigerung von 8,4 % seit 1990 (Ausgangsjahr für die Kyoto-Ziele) aus; wobei diese Zahl nicht das Auffangen durch sogenannte CO2-Fallen einschliesst. Gleichzeitig haben sich die Werte in den Übergangsländern Mittel- und Osteuropas, sowie der ehemaligen Sowjetunion durch wirtschaftliche Umstrukturierungen um 38 % verringert.

Die New Delhi-Konferenz ist offiziell bekannt als die 8. Vertragsstaatenkonferenz des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen zur Klimaänderung (COP8), zu der mindestens 3.000 Teilnehmer erwartet werden. Der hochrangige Teil wird am Mittwoch, dem 30. Oktober, und Donnerstag, dem 31. Oktober, stattfinden. Indien’s Premierminister Atal Bihari Vajpayee wird voraussichtlich am Mittwoch bei der Tagung sprechen. Etwa 80 Minister aus aller Welt werden ebenfalls zum hochrangigen Teil der Konferenz erwartet. Sie werden den Entscheidungen, die bei der Tagung getroffen werden, politischen Impuls geben.

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Für Journaliste: Für zusätzliche Informationen über Presse-Einrichtungen beim COP8 kontaktieren Sie bitte Herrn Axel Wüstenhagen, Tel. +91-9810698137 oder awuestenhagen@uno.de. Fragen bezgl. Akkreditierung richten Sie bitte an Herrn Michel Smitall, Tel. +91-9810270716 oder press@unfccc.int.

Für Interviews und andere Informationen steht Ihnen Herr Michael Williams unter Tel. +41-22-9178242 oder michael.williams@unep.ch zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie unter
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