Presseaussendungen

 SG/SM/8233
OBV/273
SOC/4620
13. Mai 2002

Generalsekretär Kofi A. Annan:

Ältere Menschen stärken den Zusammenhalt der Familien

Erklärung zum Internationalen Tag der Familien - 15. Mai 2002

NEW YORK, 15. Mai (UNO-Hauptquartier) -- Die Generalversammlung beschloss 1993, jedes Jahr den 15. Mai als Internationalen Tag der Familien zu begehen. 1989 hatte sie bereits das Jahr 1994 zum Internationalen Jahr der Familie ausgerufen, um verstärkt auf Familienthemen aufmerksam zu machen und den Ländern zu helfen, umfassende familienpolitische Maßnahmen zu ergreifen. Anläßlich des Internationalen Tags der Familien hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan folgende Erklärung veröffentlicht:

Der Internationale Tag der Familien steht in diesem Jahr unter dem Thema "Familie und Altern: Möglichkeiten und Herausforderungen". Wie die Zweite Weltversammlung zur Frage des Alterns im April zeigte, steht die Menschheit heute inmitten beispielloser demographischer Veränderungen. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl älterer Personen von heute 600 Millionen auf fast zwei Milliarden steigen. Eine solche Revolution stellt enorme Herausforderungen an eine Welt, die ohnehin einen durch Globalisie- rung, Migration und wirtschaftlichen Wandel hervorgerufenen Transformationsprozess durchläuft. Da immer mehr Menschen in die Städte ziehen, verlieren ältere Menschen ihre traditionelle Familienunter- stützung und sozialen Netzwerke. Sie laufen zunehmend Gefahr, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden.

Die HIV/Aids-Krise zwingt viele ältere Menschen in den Entwicklungsländern für Kinder zu sorgen, die durch diese Krankheit zu Waisen wurden. Die Zahl dieser Kinder beträgt mittlerweile mehr als 13 Mil- lionen weltweit. In vielen Industriestaaten geht die "von der Wiege bis zur Bahre" gewohnte Sicherheit und Versorgung verloren. Die rückläufige Zahl der im aktiven Arbeitsprozess stehenden Menschen erhöht die Gefahr für die ältere Bevölkerung, einmal mit unzulänglichen Renten und unzureichender medizinischer Versorgung auskommen zu müssen.

Angesichts dieser Herausforderungen müssen wir unsere Entschlossenheit verdoppeln, eine Gesell- schaft für alle Altersgruppen zu schaffen - und wir müssen dabei auf die Familie als Ausgangspunkt dieser Bemühungen setzen. Familien spielen die entscheidende Rolle für die Sozialisierung und Er- ziehung jüngerer Generationen sowie für die Pflege und Unterstützung der Älteren. Wenn wir den Fami- lien helfen, die aktive Beteiligung ihrer älteren Mitglieder in der Gesellschaft und bei der Entwicklung zu fördern, dann können wir sicherstellen, dass der wertvolle Erfahrungsschatz älterer Menschen genutzt wird und sie die Chance haben, lebenslang zu lernen. Wenn wir den Familien helfen, das erforderliche Netzwerk an Unterstützung und gutem Umfeld zu bieten, dann können wir das Band der Solidarität zwischen den Generationen stärken und Missbrauch, Gewalt, Geringschätzung und Diskriminierung älterer Menschen bekämpfen. Wenn wir für ausreichende und erschwingliche Gesundheitsfürsorge eintreten, einschließlich präventiver Gesundheitsmaßnahmen, dann können wir den älteren Menschen helfen, so lange wie möglich unabhängig zu bleiben.

Vor allem aber müssen wir von der Erkenntnis ausgehen, dass die Weisheit und Erfahrung älterer Men- schen die wahre Rettungsleine für die Familie wie für die Gesellschaft ist. Ältere Menschen sind die Ver- mittler zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie bereichern das Leben jüngerer Genera- tionen und sind unentbehrlich für den Zusammenhalt der Familien. Lassen sie uns an diesem Inter- nationalen Tag der Familien den Beschluss fassen, den Familien dabei zu helfen, den bestmöglichen und dauerhaftesten Gebrauch von diesem Geschenk zu machen.

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