Presseaussendungen

UNIS/NAR/806
25. Juni 2003

Weltdrogentrends: UNO sieht grössere Änderungen

WIEN, 25. Juni (UNO-Informationsdienst) - Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) erklärt in seinem diesjährigen Bericht zu Globalen Trends des Drogenmissbrauchs, der heute in Paris vorgestellt wird, dass die Heroin- und Kokain-Weltmärkte deutlich neue Tendenzen zeigen. Auf der Produktionsseite gibt es einige gute Nachrichten aus den beiden Hauptregionen der Drogenproduktion. Auf der Missbrauchsseite vollzogen sich vor allem in Europa, Russland und dem Fernen Osten wichtige Entwicklungen.

Im Goldenen Dreieck konnten die Opiumanbaugebiete in Myanmar und der Volkrepublik Laos zwischen 1998 und 2002 um 40 Prozent reduziert werden, und dieser Abwärtstrend setzt sich 2003 fort. Weltweit gesehen war die Opiumproduktion 2002 um 22 Prozent niedrigen verglichen mit der Rekordernte im Jahr 1999. Die andere gute Nachricht kommt aus der Andenregion, wo Kolumbien eine bedeutende Verringerung des Coca-Anbaus um 37 Prozent zwischen 2000 und 2002 verzeichnen kann; Bolivien wurde zu einer fast marginalen Coca-Quelle; und Peru hat den Coca-Anbau seit 1995 um 60 Prozent reduzieren können. Die weltweite Kokainproduktion ist von 950 Tonnen im Jahr 1996 auf 800 Tonnen im Jahr 2002 zurückgegangen; für 2003 wird ein weiterer Rückgang erwartet.

"Wenn die momentane Reduzierung des Opiumanbaus aufrecht erhalten werden kann, so wird das Goldene Dreieck wohl in den nächsten Jahren zu einer unbedeutenden Drogenquelle werden. Wir sind auch über die starke Abnahme des weltweiten Kokainangebots erfreut," sagt Antonio Maria Costa, Exekutivdirektor von UNODC während seiner Präsentation des Berichts.

Diese jährliche Publikation, die anlässlich des morgigen "Internationalen Tages gegen Drogenmissbrauch und Illegalen Drogenhandel" veröffentlicht wird, enthält Statistiken über Angebot und Nachfrage im illegalen Drogensektor sowie eine Analyse der Bedeutung dieser Daten.

Der Bericht unterstreicht auch einige negative Entwicklungen. "Das Wachstum der Opium-Produktion in Afghanistan vergrösserte den Markt in der Region und darüber hinaus in Zentral-Asien, der Russischen Föderation und Osteuropa. Das Ausbreiten von HIV/AIDS hat hauptsächlich durch das Ansteigen des intravenösen Heroinmissbrauchs in erschreckendem Masse zugenommen," sagte  Costa.

Zwei kürzlich abgehaltene Konferenzen, das G-8 Aussenministertreffen, das am 22. Mai in Paris stattfand, und die Debatte des UNO-Sicherheitsrates vom 17. Juni, die sich beide mit der Drogenbedrohung, die von Afghanistan ausgeht, befassten, resultierten in der nochmaligen Verpflichtung, dem Land bei der Beseitigung seiner Drogenwirtschaft zu helfen.

"Was notwendig ist, ist ein wesentlich grösseres politisches, Sicherheits- und Finanzkapital als das im Moment verfügbare, um den von der Opium-Produktion betroffenen ländlichen Gebieten zu helfen, sowie vor allem ein grösseres Vermögen der Zentralregierung, das Verbot der Opium-Produktion durchzusetzen," erklärte Antonio Maria Costa.

Der UNODC-Bericht bestätigt das Auftauchen von Amphetamine ähnlichen Stimulantien (ATS) - synthetische Drogen die Amphetamine, Metamphetamine und Ecstasy umfassen - als den "Öffentlichen Feind Nummer Eins" unter den illegalen Drogen.

"Anders als bei den auf pflanzlicher Basis gewonnenen traditionellen Drogen, beginnt die Produktion von ATS mit schon fertigen Chemikalien in leicht zu tarnenden Laboratorien. Das macht, so Costa, "die Einschätzung des Ortes, des Ausmasses und der Ausbreitung der Produktion solcher illegalen Drogen extrem schwierig. "Darüber hinaus, und das gibt Grund zur Sorge, scheinen zu viele Menschen den Missbrauch von synthetischen Drogen stillschweigend zu dulden und dadurch ihre Akzeptanz in der Gesellschaft zu steigern," fügt er hinzu.

UNODC unternimmt gegenwärtig eine globale Untersuchung, die mehr Licht in die weltweite ATS-Situation bringen soll.

Der UNODC-Exekuitvdirektor lädt alle Regierungen ein, dringend die lückenhaften Daten über Produktion, Handel und Missbrauch von ATS aufzufüllen, um die notwendigen Massnahmen zu erweitern, die Nachfrage zu senken und die Behandlung weltweit zu verbessern.

Der UNO-Bericht registriert grössere Änderungen im weltweiten Drogenmissbrauchs-Verhalten: Positive Trends vermischen sich mit spärlichen Resultaten speziell in den Übergangsländern.

Der Heroinmissbrauch ging in Ost-Asien, Ozeanien und Westeuropa zurück, nahm allerdings weiterhin in Ländern zu, die auf der Afghanistan-Russland-Osteuropa Heroin-Handelsroute liegen.

Der Kokainmissbrauch stieg in Westeuropa und Südamerika während er in Nordamerika generell zurückging.

Die Metamphetamine-Seuche scheint sich über Süd-Ost-Asien auszubreiten, während der Missbrauch in Japan stagniert. Der Amphetamin-Konsum scheint in Westeuropa zurückzugehen, zumindest zeigen das Beschlagnahmungszahlen, steigt aber weiter in Ost- und Nordeuropa. Die meisten Länder, die über Ecstasy berichten, verzeichnen ein Ansteigen des Missbrauchs.

UNODS's jährlicher Bericht über die weltweiten Trends des Drogenmissbrauchs zusammen mit den UNODC-Studien über die wichtigsten Herkunftsländer der Drogen, bilden eine Wissensbasis für die effektivere internationale Drogenkontrolle.

"Empirische Beweise sind die einzig realistische Grundlage für die Politik. Indem dieser Bericht veranschaulicht, was wir wissen, und indem er zeigt, was wir nicht wissen, trägt er dazu bei, die Wissensgrundlage für eine bessere Politik zu schaffen," sagt Antonio Maria Costa.

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