Presseaussendungen

 

Note Nr. 233
3. Februar 2003

 

UNO-STUDIE BELEUCHTET URSPRUNG, AUSMASS UND AUSWIRKUNG DER AFGHANISCHEN OPIUMWIRTSCHAFT UND SCHLÄGT LÖSUNGEN VOR

 

WIEN, 3. Februar (UNO-Informationsdienst) - Das in Wien ansässige Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) veröffentlichte am 3. Februar 2003 eine umfassende neue Studie zur Opiumwirtschaft in Afghanistan als internationales Problem. Die Studie analysiert die Entwicklung Afghanistans zum weltweit führenden Hersteller von illegalem Opium und schlägt Maßnahmen zum längerfristigen Umgang mit diesem Problem vor.

Im Vorwort zur Studie charakterisiert Antonio Maria Costa, Exekutivdirektor des UNODC, die afghanische Opiumwirtschaft als ein äusserst komplexes Phänomen, welches über das letzte Vierteljahrhundert „weit in die politische Landschaft, die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft Afghanistans hineingewachsen ist."

„Entstanden nach Jahrzehnten ziviler und militärischer Unruhe, hat es die in Armut lebende Landbevölkerung – Bauern, landlose Arbeiter, Kleinhändler, Frauen und Kinder – an die Willkür der inländischen Kriegsherren und internationalen Verbrechersyndikate gefesselt, die nach wie vor zahlreiche Gebiete im Süden, Norden und Osten des Landes beherrschen. Der Abbau der Opiumwirtschaft wird ein langer und komplexer Prozess werden, der nicht einfach durch militärische oder autoritäre Maßnahmen bewältigt werden kann. Dies wurde in der Vergangenheit versucht und erwies sich als nicht nachhaltig genug. Es muss mit den Instrumenten der Demokratie nach den Richtlinien der Gesetze und der Entwicklung vorgegangen werden.", schreibt A.M. Costa.

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung führt seit 1994 jährlich Kontrollen zum Opiumanbau durch. Gutachten stellen der internationalen Gemeinschaft Informationen zu Gebieten und zum Umfang des Anbaus, zur Opiumproduktion und zu Marktpreisen zur Verfügung. Afghanistans Opiumproduktion hat sich seit 1979, dem Jahr der Sowjetintervention, mehr als fünfzehnfach gesteigert. Zum Jahr 2000 war das Land der Ursprung von 70 % des weltweit illegal hergestellten Opiums. Nach einem Rückgang 2001, machte die im Jahr 2002 wieder auf ein hohes Niveau zurückgekehrte Produktion Afghanistan mit drei Vierteln der weltweiten Gesamtproduktion an Opium zum führenden Hersteller (gefolgt von Myanmar und Laos).

Die Studie – heute im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York veröffentlicht – geht über den Bericht zu Produktion und Daten eines einzelnen Jahres hinaus. Sie untersucht Afghanistans Opiumwirtschaft in Hinblick auf ihre Dynamik, die Gründe ihres Wachstums, ihre Nutzniesser und Opfer sowie die Probleme, die sie im Land und ausserhalb verursacht hat. Der Zweck der Untersuchung ist, das Land und die internationale Gemeinschaft bei der Umkehrung dieses Trends zu unterstützen.

„Afghanistans Opiumwirtschaft kann nur abgebaut werden, wenn die Regierung mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft die Wurzeln des Übels angeht und nicht nur dessen Symptome.", sagt Costa. „Dieser Bericht legt als ein Beitrag zu den gemeinsamen Bemühungen zur Bekämpfung illegaler Drogen die Wurzeln offen." Zuerst unterteilt der Bericht die afghanische Opiumwirtschaft in ihre Hauptbestandteile: Anbau, Produktion, Finanzierung, Handel und Verbrauch, um danach den Entwicklungsprozess des Landes in Bezug auf wesentliche Elemente nachhaltiger Anti-Drogenpolitik aufzuzeigen: „armen Bauern Anreize für den Anbau alternativer legaler Feldfrüchte geben; den Wucher mit Drogen durch ein angemessenes Kreditsystem und Starthilfe ersetzen; Frauen und Wanderarbeitern Verdienstmöglichkeiten bieten; Kindern, vor allem Mädchen, eine Ausbildung ermöglichen; Umschlagplätze für Opium in moderne Warenmärkte umwandeln; die Versuche von Rauschgifthändlern und Kriegsherren, den üblen Handel aufrechtzuerhalten, neutralisieren."

Bei der heutigen Präsentation der Studie wurde Antonio Maria Costa von Sandeep Chawla, dem Direktor der Forschungsabteilung des Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung begleitet, der mit der Studie die zehnjährige Arbeit des UNODC zu diesem Problem zusammenfasste.

Für weitere Informationen:

Sandeep Chawla, Tel.: 01-26060-4196/4654

email: Sandeep.Chawla@unvienna.org

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