Presseaussendungen

23. Juni 2003

Annans Botschaft der Hoffnung

Bauen wir an einer Welt grösserer Offenheit, Freiheit und gegenseitigen Vertrauens, empfiehlt der UNO-Generalsekretär den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums

Das folgende sind Kerngedanken aus der Erklärung von UNO-Gneralsekretär Kofi A. Annan, die er am 23. Juni in Jordanien auf der Abschluss-Sitzung des Weltwirtschaftsforums "Visionen einer gemeinsamen Zukunft" abgab:

Das 21. Jahrhundert muss ein Jahrhundert der Hoffnung und nicht der Furcht werden. Das sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan heute in einer Rede anlässlich einer ausserordendlichen Sitzung des Weltwirtschaftsforums (WEF) vor Wirtschaftsdelegationen und politischen Führern an der jordanischen Küste des Toten Meeres.

In scharfer Abgrenzung zum Pessimismus und der Defensivhaltung, welche viele weltpolitischen Kommentare seit dem 11. September 2001 kennzeichnen, betonte Annan, dass im neuen Jahrhundert, die Errungenschaften des gerade zu Ende gegangenen weiter ausgebaut, bzw. angepasst werden müssen. "Eine Welt fortschreitender Offenheit und Freiheit; eine Welt wachsenden gegenseitigen Vertrauens; vor allem aber eine Welt der Hoffnung", bezeichnete Annan als die grössten Erfolge des 20. Jahrhunderts. Der Generalsekretär betonte, dass diese Errungenschaften keinem Zufall entsprungen sind, sondern weil nach dem 2. Weltkrieg einige weitsichtige Politiker beschlossen, die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts anders zu gestalten. als die erste Hälfte. Sie gründeten ein Netzwerk von Institutionen, mit den Vereinten Nationen als Herzstück, in dem unterschiedliche Staaten für ihr gemeinsames Wohl kooperieren konnten.

Annan warnte davor, dass weitere Gewalt im Nahen Osten sehr wahrscheinlich wäre. Er drängte die Weltgemeinschaft dazu, Israelis, Palästinensern und Irakern zu helfen, "ihre schmerzhafte Vergangenheit abzulegen." Sie werden dann zurückblicken und das Jahr 2003 als "positiven Wendepunkt" ihrer Geschichte bezeichnen prophezeite der Generalsekretär.

Er betonte, dass "es rasch zu einer irakischen Selbstverwaltung kommen muss", so wie es die letzten Monat verabschiedete Resolution des Sicherheitsrates verlangt. Darüber hinaus forderte er die Welt auf "der starken Führung von US Präsident Bush folgend", die Premierminister Israels und Palästinas zur Einhaltung ihrer Friedensversprechungen von Akaba anzuhalten.

Kofi Annan sagte, das 20. Jahrhundert würde "zwei Modelle" für das 21. anbieten. Zum einen das der ersten Hälfte "durch das der gesamte Planet verwüstet wurde und Freiheiten überall durch totalitäre Strömungen bedroht waren." Und das Modell der 2. Hälfte, "das bei weitem nicht perfekt war, aber trotz allem eine unglaubliche Verbesserung brachte." In seiner eigenen Vision der Zukunft sieht er, "die Menschheit die Errungenschaften der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgreifen und weiter ausbauen."

"Ich sehe Menschen, die füreinander sorgen", fügte Annan hinzu, "und Staaten die ihre gemeinsame Verantwortung für die Sicherheit und das Wohl aller Menschen, wo auch immer sie leben, teilen. Ich sehe Weltmärkte die tatsächlich frei und fair sind. Die Armen werden ihre Lage durch Produktion und Verkauf verbessern können, ohne durch Handelsbarrieren oder ungerechtfertigt subventionierte Konkurrenz behindert zu werden. Ich sehe, dass alle Völker für ihre gemeinsame Heimat zusammen arbeiten und die Reichtümer der Erde für nachfolgende Generationen sichern. Und ich sehe, dass Entscheidungen, welche die Interessen aller betreffen in internationalen Institutionen, angefangen bei den Vereinten Nationen, getroffen werden. All Mitglieder werden die Meinungen der anderen respektieren und ehrlich bestrebt sein, Einigungen zu erzielen."

Kofi Annan bezog sich im Weiteren auf die Terroranschläge auf New York im Jahre 2001 und anerkannte die Notwendigkeit für Veränderungen, "auch in unseren Institutionen, weil neue Herausforderungen, neue Antworten erfordern." Allerdings hoffe er, in einer verschleierten Warnung vor dem US-amerikanischen Unilateralismus, dass alle UNO- Mitglieder "den Wert jeglichen Wandels an den Verbesserungen, den er hinsichtlich Sicherheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand für alle bringen kann, messen werden."

Daran erinnernd, dass er den 11. September als "Tor des Feuers" für das neue Jahrtausend bezeichnet hat, schloss Annan seine Rede mit dem Aufruf, dass ein "Tor des Feuers" nicht unbedingt in eine Einöde führen muss. "Lasst unsere Kinder auf diese Zeit zurückblicken", erklärte er, "und sie sagen, hier, an der Küste des Toten Meeres, haben wir ein blühendes Land betreten, ein Land der Hoffnung."

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