Presseaussendungen

UNIS/INF/84
17. Juni 2005

Flüchtling zu sein, verlangt Courage

Die Vereinten Nationen begehen am 20. Juni den Weltflüchtlingstag

WIEN, 17. Juni (UNO-Informationsdienst) – Während der vergangenen fünfeinhalb Jahrzehnte konnte das Büro des Flüchtlingshochkommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) über 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht helfen. Im Jahr 2005 gilt die Anerkennung von UNHCR besonders dem Mut von Flüchtlingen, außergewöhnliche Lebensumstände zu bewältigen und die Herausforderung anzunehmen, die der Aufbau eines neuen Lebens und die erneute Mitwirkung an der Gesellschaftsgestaltung mit sich bringen. „Courage“ lautet daher das diesjährige Motto zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni, an dem die Vereinten Nationen die unerschütterliche Zuversicht und den Mut aller Flüchtlinge weltweit würdigen und ihnen verdienten Zuspruch, Unterstützung und Respekt entgegenbringen.

„Lassen Sie uns an diesem Weltflüchtlingstag – wie von Millionen Flüchtlingen vor Augen geführt - aus dem Mut und der Beharrlichkeit die Kraft schöpfen, die Not zu überwinden und eine bessere Zukunft zu schaffen. Viele erfahren großes Leid, ohne jedoch die Hoffnung zu verlieren. Sie haben die Stärke, Verzweiflung zu überwinden, und entgegen aller Widrigkeiten ein neues Leben zu beginnen. Wir können ihren Mut jeden Tag in den Flüchtlingslagern in Asien und Afrika beobachten, wo ganze Familien Unterricht erhalten und neue Fähigkeiten erwerben, während sie sehnsüchtig auf den Tag warten, an dem sie in ihre Heimat zurückkehren und ihr Land wieder aufbauen können“, ließ der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, in seiner Botschaft verlautbaren und appellierte zu weltweiter Solidarität.

In 115 Staaten, darunter einige der am schwersten betroffenen Krisenregionen der Welt, versuchen 6.000 UNHCR-Mitarbeiter dauerhafte Lösungen für mehr als 17 Millionen Flüchtlinge und schutzbedürftige Menschen zu finden. UNHCR operiert auf Basis von drei möglichen nachhaltigen Lösungen: Repatriierung – freiwillige Rückkehr in das Heimatland, vorausgesetzt die notwendige Sicherheit kann gewährleistet werden; lokale Integration in das Erstasylland; oder als letzte Option Umsiedlung in ein Drittland. „Jeder Flüchtling erlebt sein Schicksal und persönliches Leid anders, gleichwohl verbindet sie ihr außergewöhnlicher Mut – die Courage, nicht nur zu überleben, sondern nicht aufzugeben und ihr zerrüttetes Leben neu zu ordnen“, bemerkt der neu bestellte UNO-Flüchtlingshochkommissar António Guterres.

Dennoch gestaltet sich die Suche nach Sicherheit in der heutigen Welt für Flüchtlinge immer schwieriger. Während Entwicklungsländer den größten Teil der weltweiten Flüchtlinge beherbergen, schließen Industrieländer zunehmend ihre Tore für Asylsuchende. In Österreich, zum Beispiel, debattiert das Parlament derzeit über ein strengeres Asylgesetz, obwohl die Zahl der Asylanträge seit mehreren Jahren rückläufig ist, berichtet UNHCR. Die größten Sorgen bereiten UNHCR eine im Entwurf vorgesehene Bestimmung, die für Asylwerber, die theoretisch in den Zuständigkeitsbereich eines so genannten Dublin-Staates (EU-Länder, Island und Norwegen) fallen, automatisch Schubhaft vorsieht, sowie ein Mangel an Datenschutz. Laut Gesetzesentwurf könnten persönliche Daten von Asylsuchenden an die Behörden jenes Staates weitergegeben werden, wo der Asylwerber möglicherweise verfolgt wird. UNHCR appelliert daher an die Parlamentarier, diese beiden Regelungen zu modifizieren und internationalen Standards anzupassen.

Rund um den Globus wird der Weltflüchtlingstag auf vielfältige Weise begangen. In Österreich organisiert UNHCR eine Dichterlesung unter dem Motto „Von der Courage, ein Flüchtling zu sein“ mit Autoren, die selbst  Flüchlinge waren. In Ungarn wird zum Gedenken an diesen Tag eine einmonatige Plakatkampagne in Budapest gestartet – in Kooperation mit dem Menekék Verein für Einwanderer. Außerdem wird das ungarische staatliche Fernsehen Duna TV sowie RTL Club TV themenbezogene Kurzbeiträge zum Weltflüchtlingstag senden. In der Slowakei ist am 17. Juni eine Bootsfahrt auf der Donau von Bratislava zum Flüchtlingsheim Gabcikovo für Flüchtlinge, Asylsuchende, Politiker, Medienvertreter, NGO-Aktivisten und Künstler geplant. Am selben Tag findet im Stadtkulturzentrum von Gabcikovo ein Konzert unter dem Motto „Künstler für Flüchtlinge“ statt, ergänzt von einer Ausstellung mit Zeichnungen und Fotografien von Flüchtlingen. In Zusammenarbeit mit Studenten und NGOs werden Flüchtlingsprobleme thematisierende TV-Spots ausgestrahlt. Für den 26. Juni ist ein Treffen von Gemeindevertretern mit Flüchtlingen vorgesehen, sowie am Marktplatz eine Ausstellung von Flüchtlingskunst aus dem slowakischen Flüchtlingslager Brezova pod Bradlom.

Die Vereinten Nationen begehen jährlich den Weltflüchtlingstag, der am 20. Juni 2001 anlässlich des 50. Jahrestages der Genfer Flüchtlingskonvention von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlosen wurde. Die UNO-Konvention über den Status von Flüchtlingen ist das Gründungsinstrument und der Eckpfeiler des internationalen Schutzes von Flüchtlingen. Dieser Tag bietet Gelegenheit, an die Prinzipien der Konvention zu erinnern, einschließlich des Verbots, Flüchtlingen Asyl zu verweigern, deren Freiheit und Leben in ihrem Heimatland aus Gründen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe, Religion, Nationalität, politischen Auffassung oder sozialen Gruppe bedroht sind.

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