Presseaussendungen

UNIS/SGSM/076
15. Oktober 2008

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon:

"Armut beraubt die Armen ihrer Menschenwürde"

Erklärung zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, 17. Oktober 2008

WIEN, 15. Oktober (UNO-Informationsdienst) - Das Thema des diesjährigen Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut - "Menschenrechte und Würde von Menschen, die in Armut leben" - ruft die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren in Erinnerung. Die Erklärung bekräftigt, dass "jeder das Recht auf einen Lebensstandard hat, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet."

Sechzig Jahre später sind immer noch Hunderte Millionen Menschen von grundlegenden Menschenrechten wie Nahrung, Unterkunft, Bildung und angemessenen Arbeitsbedingungen ausgeschlossen. Diese Menschen, die gezwungenermaßen in Armut leben, stehen häufig sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung und Machtlosigkeit gegenüber. Armut beraubt die Armen ihrer Menschenwürde.

Unsere Bemühungen Armut zu beseitigen, müssen dem Respekt der Menschenrechte und der Würde aller besondere Aufmerksamkeit schenken. Sie müssen über grundlegende materielle Bedürfnisse hinausgehen und Diskriminierung und Ungleichheiten angehen. Das bedeutet, sicherzustellen, dass alle Armen Zugang zu den Ressourcen haben, die sie brauchen, um der Armut zu entfliehen - Land, Kapital, Wissen und Fertigkeiten. Es bedeutet, die Armen zu ermächtigen, erfolgreich an Entscheidungsprozessen und anderen Aktivitäten, die ihr Leben direkt betreffen, teilhaben zu können.

Aktuelle ökonomische Unsicherheiten machen diese Aufgabe nicht nur zu einer noch größeren, sondern auch zu einer noch wichtigeren Herausforderung. Steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise sowie die weltweite Finanzkrise drohen die Fortschritte bei der Reduzierung von Armut und Hunger in vielen Teilen der Welt zunichte zu machen. Geschätzte 100 Millionen Menschen sind im Moment von Armut bedroht.

Auf der hochrangigen Veranstaltung im letzten September haben Regierungen ihre Verpflichtung gegenüber den Millenniums-Entwicklungszielen noch einmal bestätigt. Viele haben neue Mittel zugesagt, um die Nahrungsmittelsicherheit zu verbessern, Krankheiten auszumerzen, Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen zu sichern und die Finanzkrise zu meistern. Diese Zusagen sind keine Akt von Wohltätigkeit, sondern eine Verpflichtung im Streben nach Menschenrechten für alle Menschen. Scheitern wir daran, unsere Versprechen zu den Entwicklungszielen einzulösen, so schaffen wir die Voraussetzungen für noch größeres menschliches Elend und globale Unsicherheiten.

Armut kann nicht ohne den nötigen Respekt vor den Menschenrechten ausgemerzt werden. Lassen Sie uns, an diesem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, für die jedem Mitglied der menschlichen Familie innewohnende Würde und gleichen Rechte bürgen und nach einer Welt frei von Armut und Ungerechtigkeit streben.

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