UNIS/INF/330
6. Juli 2009

Hilfsgelder für die Millenniums-Entwicklungsziele weiterhin unter der Zielmarke

UNO-Generalsekretär ruft Geber auf, trotz des wirtschaftlichen Abschwungs die Versprechen einzuhalten

VIENNA, 6. Juli (UNO-Informationsdienst) - Sechs Jahre vor der Ablauffrist im Jahr 2015 bleiben die Geberländer hinter ihren eingegangenen Verpflichtungen zum Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele zurück. Als Resultat des negativen Wirtschaftsklimas werden Hilfsgelder wahrscheinlich weiter zurückgehen, gemäß des heute in Genf vorgestellten UNO-Berichts über die Millenniums-Entwicklungsziele.

Entwicklungsländer und ihre Partner haben erhebliche Fortschritte im Kampf gegen Hunger und Armut gemacht, aber die beispiellose Wirtschaftskrise droht diese zunichte zumachen, zeigt der UNO-Bericht.

"Wir dürfen es nicht erlauben, dass uns ein unvorteilhaftes Wirtschaftsklima davon abhält, unsere Verpflichtungen, die wir im Jahr 2000 eingegangen sind, umzusetzen", erklärt UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon im Vorwort zu dem Bericht. "Die Weltgemeinschaft kann den Armen und Schwachen nicht den Rücken zuwenden." Er fügt hinzu: "Die Ziele sind in Reichweite - selbst in sehr armen Ländern - mit einem starken politischen Engagement sowie ausreichender und nachhaltiger Mittel."

Die Gesamthilfsgelder bleiben unter dem UNO-Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Lediglich Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden erreichten oder überschritten das Ziel im Jahr 2008.

Beim Gipfel der Gruppe der acht Staaten (G-8) in Gleneagles im Jahr 2005 und beim UNO-Weltgipfel im darauffolgenden Jahr verpflichteten sich die Geberländer zur Steigerung der Hilfsgelder. In einem offenen Brief vor dem Gipfel der G-8 in der nächsten Woche in Italien stellt der UNO-Generalsekretär fest, dass die jährliche Hilfe für Afrika mindestens 20 Milliarden hinter den Zielen von Gleneagles zurückbleibt. Er ruft die G-8 auf, Land für Land festzulegen, wie die Geber die Hilfe für Afrika in den kommenden Jahren erhöhen wollen, um die Verpflichtungen von Gleneagles Wirklichkeit werden zu lassen.

Da sich die meisten Volkswirtschaften in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer Rezession befinden, bedeutet sogar die Erfüllung der früher eingegangenen Verpflichtungen, die in einer Prozentzahl des Nationaleinkommens der Geberstaaten ausgedrückt ist, eine verringerte Summe der Hilfsgelder. Für viele Entwicklungsländer würde ein niedrigeres Niveau der Hilfszahlungen nicht nur den weiteren Fortschritt behindern, sondern könnte sogar einige der erzielten Verbesserungen aufheben, so der Bericht.

Gemäß einer Studie ist gleichzeitig die Fähigkeit einiger Länder, nationale Ressourcen für die Entwicklung zu mobilisieren in Gefahr. Die Exporteinkünfte der Entwicklungsstaaten sind im letzten Quartal 2008 gleichzeitig mit den Rohstoffpreisen eingebrochen. Der Schuldendienst im Verhältnis zu Exporten der Entwicklungsländer wird sich wahrscheinlich weiter zum Schlechteren entwickeln, vor allem in den Ländern, die eine Zunahme der Exporteinkünfte in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Der Bericht macht klar, dass Entwicklungsinitiativen beständig Erfolge erzielen, wenn das politische Engagement von einer ausreichenden und nachhaltigen Finanzierung gestärkt ist:

·          Einschulungen in die Grundschule stiegen von 83 Prozent im Jahr 2000 auf 88 Prozent im Jahr 2007.

·          Die Kindersterblichkeit unter fünf Jahren nahm weltweit ab - von 12,6 Millionen im Jahr 1990 auf neun Millionen im Jahr 2007 - trotz des Bevölkerungswachstums.

·          In Afrika südlich der Sahara, wo die Kindersterblichkeit die höchste in allen Weltregionen ist, zeigen jüngere Erhebungen spürbare Verbesserungen bei Schlüsselmaßnahmen, die größere Durchbrüche für die Kinder in den kommenden Jahren erzielen könnten. Darunter zu nennen ist die Verteilung Insektizid-behandelter Bettnetze, die die Infektionsrate von Malaria gesenkt hat - eine Haupttodesursache für Kinder.

·          Als Ergebnis der Investitionen in Nachimpfungen wurde ein erheblicher Fortschritt im Kampf gegen Masern erreicht.

·          Die geschätzte Anzahl der AIDS-Todesopfer scheint im Jahr 2005 mit 2,2 Millionen Menschen seinen Höhepunkt erreicht zu haben und ist seitdem auf zwei Millionen im Jahr 2007 gesunken. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Zugang zu antiviralen Medikamenten in armen Ländern verbessert wurde.

Trotz dieser und anderer Erfolge kommt der Bericht zu dem Ergebnis, das der Fortschritt bei den meisten Zielen, die im Jahr 2000 gesetzt wurden und bis 2015 erreicht werden sollen, zu langsam ist, wenn die Bemühungen nicht erhöht werden.

Es muss ein größerer politischer Wille aufgebracht werden, um die Gesundheit von Müttern zu verbessern und die Müttersterblichkeit zu verringern. Bei diesem Ziel wurde der geringste Fortschritt erzielt, insbesondere in Afrika südlich der Sahara und in Südasien.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon fasst zusammen, dass "anstatt nachzugeben, es nun Zeit ist, den Fortschritt der Millenniumsziele zu beschleunigen und die globale Partnerschaft für die Entwicklung zu stärken. Die Wirtschaftskrise zu meistern kann - und sollte - eine Gelegenheit dafür werden, die nötigen Strukturanpassungen durchzuführen, um auf den Weg zu gerechter Entwicklung und Nachhaltigkeit - darunter auch das Problem des Klimawandels anzugehen - weiterzukommen. Nichts weniger als das Überleben unseres Planeten und die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel."

Der Bericht über die Millenniums-Entwicklungsziele ist bis jetzt die weltweit umfassendste Beurteilung der Millenniums-Entwicklungsziele. Er basiert auf Daten, die von 20 Organisationen innerhalb und außerhalb des Systems der Vereinten Nationen ausgearbeitet wurden, darunter die Weltbank und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das Projekt wird von der Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Entwicklung des Sekretariats der Vereinten Nationen geleitet.

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Für weitere Informationen über die Millenniums-Entwicklungsziele:

www.un.org/millenniumgoals
http://mdgs.un.org/unsd/mdg

Für Beiträge der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit:

http://www.oecd.org/document/35/0,3343,en_2649_34447_42458595_1_1_1_1,00.html

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