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UNIS/INF/370
28. Mai 2010

Internationale Experten diskutieren die Zukunft der Biodiversität im Vienna International Centre (VIC)

WIEN, 28. Mai (UNO-Informationsdienst) - Internationale Experten zum Thema Biodiversität haben heute im Vienna International Centre (VIC) ihre Erfahrungen im Rahmen des Symposiums "UMWELTTAGGespräche 10: Wert der Vielfalt - Vielfalt der Werte" ausgetauscht. Das Symposium, organisiert von der österreichischen Nichtregierungsorganisation "die umweltberatung" in Zusammenarbeit mit dem Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV), dem Büro des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Wien (UNEP) sowie dem Informationsdienst der Vereinten Nationen (UNIS) in Wien, wurde anlässlich des Weltumwelttages und dem Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt 2010 veranstaltet.

Vorsitzender von "die umweltberatung" Christian Mokricky eröffnete das Symposium und hieß die Teilnehmer aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Wissenschaft und Politik willkommen.

Achim Steiner, Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), wies in seiner Grußbotschaft darauf hin, dass mit dem Verlust der Artenvielfalt nicht nur unter ökologischen sondern auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ein immer größeres Risiko auf uns zukommt. "Umweltschutz ist auch Wirtschaftspolitik, und Wirtschaftspolitik muss auch Umweltpolitik sein im Jahr 2010." Gerade die Kombination von ökologischem Reichtum verbunden mit neu entwickelter und wegweisender Umweltpolitik sind Gründe dafür, warum Ruanda als Gastgeberland der diesjährigen globalen Festivitäten rund um den Weltumwelttag ausgesucht wurde. Der Slogan 'Many Species. One Planet. One Future' des heurigen Weltumwelttages soll vor allem verdeutlichen, "dass wir als Gemeinschaft von Menschen, Staaten, Gemeinden und Gemeinschaften die Verantwortung haben für den Erhalt der Artenvielfalt, und dass wir auch gemeinsam als eine Gemeinschaft von Nationen an diesem Thema zusammenarbeiten müssen", so Steiner.

In einer Video-Botschaft an das Symposium rief die britische Primatologin, Anthropologin und UNO-Friedensbotschafterin Jane Goodall - bekannt für ihre Studie des Sozial- und Familienlebens der Schimpansen im Gombe Stream National Park (Tansania) - zu Maßnahmen gegen den zunehmenden Verlust der Artenvielfalt und gegen die Zerstörung von Ökosystemen auf.

Hauptredner Hans Friedrich, IUCN Regional-Direktor Pan/Europa, wies auf die gegenseitige Abhängigkeit von Wirtschaft, Umwelt und menschlichem Wohlergehen hin: "Die Welt kämpft mit ökonomischen und klimatischen Unsicherheiten und deren Konsequenzen für die Sicherheit von Nahrung und Wasser. Gesunde Artenvielfalt und Ökosysteme führen zu nachhaltiger sozialer und ökonomischer Entwicklung. Wir können die elementare Rolle nicht länger ignorieren, die die Biodiversität für das Wohlergehen des Menschen spielt", so Friedrich.

Andreas Beckmann, Direktor des WWF Donau-Karpaten-Programms betonte, dass die Biodiversität unser Lebenserhaltungssystem und letztendlich Grundlage des Wirtschaftssystems sei: "Es gibt viele Gründe, warum Biodiversität für uns so wichtig ist. Sie ist unser Lebenserhaltungssystem, das, worauf unser Leben, unsere Gesundheit und unser Glück aufbaut, und bildet natürlich die Grundlage unserer Wirtschaftsysteme". Neben essentiellen Produkten wie Nahrung und Medikamenten trägt Biodiversität zu einer Reihe von lebenserhaltenden Systemen bei, wie der Produktion von Humus, Schutz gegen Hochwasser und Wasserregulierung, und bietet zudem Erholung und Ästhetik.

Der monetäre Wert der Biodiversität wurde von Kristina Jahn, Managerin bei PricewaterhouseCoopers beleuchtet. Sie präsentierte die Ergebnisse der Studie "Biodiversity and Business Risk" im Auftrag des World Economic Forum: "Der Rückgang der Artenvielfalt und die Zerstörung von Ökosystemen betrifft nicht nur die Primärindustrie wie Bergbau, Land- und Forstwirtschaft, sondern auch die Konsumgüterbranche: Ressourcen werden knapper und teurer, das betrifft die gesamte Wertschöpfungskette. Je mehr Ökosysteme zerstört und Arten bedroht werden, umso größer sind auch die Risiken für die Unternehmen. Finanzdienstleistungsunternehmen haben dabei eine Schlüsselrolle inne: Sie können mit ihren Investitionen bestimmen, welche Projekte zur Förderung der Vielfalt umgesetzt werden und dazu beitragen, dass diese Projekte auch als unternehmerische Chance verstanden werden", erklärte Jahn.

Professor Franz Wuketits vom Institut für Wissenschaftstheorie der Universität Wien stellte in seinem Vortrag die Frage nach dem moralischen Wert der Biodiversität: "Die Vielfalt des Lebens auf der Erde ist nicht nur für BiologInnen interessant, sondern eine ethische Verpflichtung für alle von uns. Artenschutz ist daher letztendlich Menschenschutz, Artenschutz eine moralische Verpflichtung. Bloße Ge- und Verbote sind allerdings zu wenig - notwendig ist die grundlegende Einsicht, dass andere Lebewesen für den Menschen einen Wert darstellen".

Am Nachmittag erörterten die Teilnehmer verschiedene Aspekte des Themas in drei parallelen Foren: "Biodiversität und Wirtschaft", "Biodiversität und Raumplanung" und "Biodiversität und Tourismus". Die Ergebnisse der verschiedenen Debatten wurden in einer gemeinsamen Abschlussrunde vorgestellt und Ideen entwickelt, wie der Verlust an Biodiversität aufgehalten werden kann.

"Im letzten halben Jahrhundert hat menschliches Handeln einen noch nie dagewesenen Rückgang der biologischen Vielfalt verursacht. Arten sind tausendmal schneller ausgestorben als es natürlich der Fall wäre - ein Verlust, der durch den Klimawandel noch gefördert wird", betonte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in seiner Erklärung zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt. "Es wird der internationalen Gemeinschaft Gelegenheit geben, eine Führungsrolle in diesem Thema einzunehmen, besonders auch mit Hinblick auf den anstehenden Nagoya Gipfel zur Biodiversität, bei dem eine neue Strategie zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur biologischen Vielfalt verabschiedet werden soll", betonte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon weiter.

Der UNO-Generalsekretär in seiner Erklärung zum Weltumwelttag am 5.Juni 2010: "Dieses Jahr wird Kigali im Zentrum der globalen, multikulturellen Feiern zu Ehren unseres Planeten, seinen Millionen von Lebewesen und der vielfältigen Verbindungen alles Lebenden stehen. Am Weltumwelttag appelliere ich an alle - von Kigali bis Canberra, von Kuala Lumpur bis Quito - mit uns die Alarmglocke zu läuten. Mitmachen, sich Gehör verschaffen. Lernen und lehren. Führung übernehmen und aufräumen helfen. Verbindung mit der Natur suchen, mit unserer Lebensader. Zusammen können wir eine neue Vision von Biodiversität entwickeln: Viele Arten. Ein Planet. Eine Zukunft."

Das Symposium in Wien gilt als Auftaktveranstaltung zum Weltumwelttag 2010 in Europa. Neben vielen anderen Events zum Weltumwelttag werden in den nächsten zwei Wochen größere öffentliche Veranstaltungen in Baku (Aserbaidschan), Genua (Italien) und Genf (Schweiz) stattfinden.

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Für weitere Informationen, kontaktieren Sie bitte:

Maria Naderhirn
NGO/CSO Liaison, UNIS Vienna
Telefon: (+43-1) 26060-3324
Email: maria.naderhirn@unvienna.org

Harald Egerer
Programme Officer, UNEP Vienna
Telefon: (+43-1) 26060-4545
Email: harald.egerer@unvienna.org

Gabriele Pomper
"die umweltberatung" NÖ (Eco Counselling NÖ)
Telefon: (+43) (0) 2742-71829
Mobiltel.: (+43) (0) 676-668 85 58
Email: gabriele.pomper@umweltberatung.at
Website: www.umweltberatung.at

Weitere Informationen zum Symposium finden Sie unter: http://www.umwelttag.at/

Informationen zum Weltumwelttag 2010 finden Sie unter: http://www.unep.org/wed/2010/english/