Presseaussendungen

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UNIS/INF/417
7. Juni 2011

Umwelttag-Gespräche 2011 bei den Vereinten Nationen in Wien:

Chemische Industrie und Umweltschutz - ein Widerspruch in sich?

WIEN, 7. Juni (UNO-Informationsdienst) - Anlässlich des Weltumwelttags, der jährlich am 5. Juni gefeiert wird, und dem Internationalen Jahr der Chemie, das die Vereinten Nationen für das Jahr 2011 ausriefen, trafen sich heute internationale Experten im Vienna International Centre (VIC) zu einer Konferenz mit dem Titel "Umwelttag-Gespräche 2011: Chemie trägt Verantwortung". Das Symposium wurde von der österreichischen Nichtregierungsorganisation "die umweltberatung" in Zusammenarbeit mit dem Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV), dem Büro des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Wien (UNEP) sowie dem Informationsdienst der Vereinten Nationen in Wien (UNIS) organisiert und vom Österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft unterstützt.

Über 200 Teilnehmer aus dem öffentlichen Sektor, der Privatwirtschaft, von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, aus der Wissenschaft und Politik nahmen an der Konferenz teil, um ihre Ansichten über die Rolle der Chemie und die Verantwortung, die sie trägt, auszutauschen.

Achim Steiner, Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), hob in seiner Video-Grußbotschaft die Arbeit der Vereinten Nationen in Umweltfragen hervor und ging auf die enge Zusammenarbeit zwischen UNEP und anderen UN Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ein: Sie alle bearbeiten Themen wie den Gebrauch von Pestiziden und Insektiziden gemeinsam und verabschieden Übereinkommen über chemische Stoffe.

Zur Rolle und der Verantwortung, die Chemie für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft trägt, sagte Steiner: "Der Kern unserer Arbeit bei den Vereinten Nationen ist zu erfassen, wie wir in einer grünen Wirtschaft mit Hilfe der Chemie den Nutzen moderner Technologien vergrößern und gleichzeitig Umweltverschmutzung vermeiden können. Unsere Arbeit stützt sich dabei auf eine Reihe von Übereinkommen, auf die wir uns international geeinigt haben."

Beispiele dafür, wie die internationale Gemeinschaft im Lauf der Jahre versucht hat, das Prinzip der Verantwortung im Umgang mit chemischen Substanzen und Stoffen zu verankern, sind das Basler Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung, die Stockholmer Konvention über persistente organische Schadstoffe und das Rotterdamer Übereinkommen zum internationalen Handel mit gefährlichen Chemikalien.

Harald Egerer, Leiter des Büros des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Wien (UNEP), erläuterte die Arbeit von UNEP in Bereich grenzüberschreitende Umweltrisiken. Im Rahmen der Umwelt- und Sicherheitsinitiative (ENVSEC) werden hier z.B. besonders gefährliche Unternehmungen im Bergbau in Südosteuropa überwacht und reduziert. "Der Abbau und die Verarbeitung von Mineralien spielten in der Geschichte und Wirtschaft des Westlichen Balkans eine entscheidende Rolle. Auch heute noch verfügt die Region über einige der größten Mineralvorkommen Europas. Um die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit des Mineralienabbaus in der Region zu erhalten, müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden", betonte Egerer.

Janez Potočnik, EU-Umweltkommissar, wandte sich in einer Video-Botschaft an die Konferenzteilnehmer und betonte dabei die Rolle der Europäischen Union als zweitgrößtem Chemikalienproduzenten der Welt und ihre Anstrengungen, einen Rahmen für nachhaltige chemische Industrie zu schaffen.

Der Obmann von "die umweltberatung" Österreich, Christian Mokricky, unterstrich die Kampagnen, die "die umweltberatung" im Zuge des Internationalen Jahres der Chemie unternommen hat, um Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren.

René van Berkel, Leiter der Abteilung Saubere und Nachhaltige Produktion der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO), bezog sich in seinen Ausführungen auf UNIDOs Beitrag im Bereich der grünen Chemie und der grünen Technik. Er stellte ein Programm vor, das technologische Innovation und finanzielle Anreize fördert und in 47 Ländern auf der ganzen Welt durchgeführt wird, um Emissionen, Abfall und Wasserverbrauch zu reduzieren.

Um zu zeigen, wie politische Instrumente mit Erfolg implementiert werden können und den verantwortungsbewussten Gebrauch von Chemie zu fördern, hat Debbie Raphael, Programme Manager, Toxics Reduction / Green Building der Umweltbehörde der Stadt San Francisco eine Regelung nach dem Vorsorgeprinzip eingeleitet. Sie sagt: "San Francisco konnte es sich nicht mehr leisten, auf eine föderale Richtlinie zu warten, um giftigen Chemikalien in Produkten in lokalen Unternehmen und Haushalten vorzubeugen. Aus diesem Grund wurde eine Regelung nach dem Vorsorgeprinzip verabschiedet, die städtische Entscheidungsträger dazu auffordert, auf Basis von Frühwarnsystemen gegen vorhersehbare Schäden zu handeln." Unter dem Dach des Vorsorgeprinzips wurden eine Reihe von Instrumenten implementiert, um die Anwendung von sicheren Alternativen zu identifizieren und voranzutreiben. Sie sagt weiter: "Regulierungsmaßnahmen wie Chemikalienverbote, Anreizprogramme und Informationskampagnen demonstrieren das Potential und die Effektivität eines Vorsorgeprinzip-Ansatzes hin zu einer "verantwortungsbewussten Chemie" auf lokaler Ebene".

Thomas Jakl, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), verwies auf die EU-Verordnung über chemische Stoffe und ihren sicheren Einsatz - REACH - die die Registrierung, Evaluierung, Autorisierung und Restriktion von chemischen Substanzen behandelt und zum 1. Juni 2007 in Kraft getreten ist. Die REACH-Verordnung überträgt der Industrie mehr Verantwortung, die Risiken durch Chemikalien zu kontrollieren und Sicherheitsinformationen über die Substanzen bereitzustellen. Hersteller und Importeure werden angehalten, Informationen zu den Eigenschaften ihrer chemischen Substanzen zu sammeln, welche den sicheren Umgang mit ihnen erlauben und die Informationen in einer zentralen Datenbank, die von ECHA betrieben wird, einzutragen. Die Verordnung verlangt zudem die schrittweise Substitution der gefährlichsten Chemikalien, sobald geeignete Alternativen gefunden wurden.

Ein neues Paradigma für industrielle Produktion findet sich auch im Cradle to Cradle® Design, das Albin Kälin, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA) Switzerland GmbH eingeleitet hat. Die Auswahl und Nutzung von spezifischen Materialien und Prozessen ermöglicht Produktionsprozesse, die keinen Abfall produzieren, sondern Ressourcen in einem geschlossenen Kreis bewahren. "Produktionsprozesse sind gemäß dem Model der Natur ausgelegt. Kein Abfall, keine Unterwerfung, keine Restriktionen. Die richtigen Materialien, am richtigen Platz, zur richtigen Zeit, in endlosen Kreisläufen sind der Schlüssel zum Erfolg", erklärte Kälin.

Inspiriert durch die Vorträge, die am Vormittag gehalten wurden, erkundeten die Teilnehmer in der Nachmittagssitzung der Konferenz das Thema der verantwortungsbewussten chemischen Industrie in drei parallelen Diskussionsrunden zu "Ökologie und chemische Industrie - Ein Widerspruch?", "Ecolabels - Trendsetter für die chemische Produktion?" und "Nachhaltige chemische Produkte - Cash-Cow oder Flop?". Best Practice Beispiele wurden von Johann Zimmermann von Natürlicher Kunststoff (NaKU) und Andrea Plomberger von der Lenzing AG vorgestellt, um das ökonomische Potential der nachhaltigen und ressourcen-effizienten Produktion zu demonstrieren.

Die Ergebnisse der separaten Debatten wurden in einer gemeinsamen Abschlussdiskussionsrunde vorgestellt. Zentral war die Idee, dass kreative Beiträge der chemischen Industrie zur Bewältigung von Herausforderungen im Umweltbereich unerlässlich sind. Der nachhaltige Umgang mit den Ressourcen Wasser, Nahrung und Energie im Rahmen einer transparenten und grünen Wirtschaft ist Basis einer gesunden Umwelt zum Wohlergehen aller Menschen.

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Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Maria Naderhirn
NGO/CSO Liaison, UNIS Vienna
Telefon: (+43-1) 26060-3324
Email: maria.naderhirn[at]unvienna.org

Veronika Hopfgartner
UNEP Vienna - Interim Secretariat of the Carpathian Convention
Telefon: (+43-1) 26060-5620
Email: veronika.hopfgartner[at]unvienna.org

Gabriele Pomper
"die umweltberatung" Österreich (Eco Counselling Austria)
Mobil: (+43-676) 836 88 565
Email: gabriele.pomper[at]umweltberatung.at
Website: www.umweltberatung.at

Für weitere Informationen über die Konferenz, besuchen Sie bitte http://en.umwelttag.at/

Internationales Jahr der Chemie: http://www.chemistry2011.org/

Weltumwelttag 2011: http://www.unep.org/wed/