Presseaussendungen

    Zur Information - kein offizielles Dokument

    UNIS/SGSM/1212
    1. März 2022

    Der Generalsekretär

    Bemerkungen zum Start des Blitzappells für die Ukraine

    New York, 1. März 2022

    Exzellenzen, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

    in der vergangenen Woche wurde ein Land ins Chaos gestürzt und eine Region erschüttert. Die Ereignisse hallen auf der ganzen Welt nach.

    In der Ukraine sind Hunderte von Zivilpersonen getötet und verletzt worden.

    Unschuldige Menschen zahlen wieder einmal den höchsten Preis, den der Krieg fordert.

    Mehr als eine halbe Million Menschen sind über die Grenzen geflohen.

    Hunderttausende von Frauen, Kindern und Männern verbringen Tage und Nächte im Untergrund, in Kellern, Parkhäusern und U-Bahn-Stationen.

    Raketen regnen auf die Städte, auch auf Kiew.

    Die Strom- und Wasserversorgung ist unterbrochen.

    Straßen sind durch Bomben beschädigt oder zerstört.

    Die lokalen Lieferketten sind unterbrochen. In einigen Gebieten sind die Lebens- und Arzneimittel knapp.

    Durch Angriffe auf ein Erdöldepot und eine Gasrohrleitung drohen schwere Umweltschäden.

    Ich danke den Mitgliedstaaten, die die aus der Ukraine fliehenden Menschen aufgenommen haben. Es ist wichtig, dass diese Solidarität ohne jegliche Diskriminierung aus Gründen der Religions- oder ethnischen Zugehörigkeit geleistet wird.

    Für viele Menschen, die in dem Land bleiben, wird das Leben immer schwieriger und gefährlicher.

    An den meisten Orten mangelt es an der Infrastruktur für die Unterbringung und den Schutz einer großen Zahl von Menschen, die praktisch mit nichts ankommen.

    Ich spreche den nationalen und lokalen Organisationen, die Hilfe leisten, sowie den ukrainischen humanitären und medizinischen Helferinnen und Helfern, die sich um die in den Kämpfen Verwundeten kümmern, meine Anerkennung aus.

    Die internationale Gemeinschaft muss ihnen uneingeschränkte Unterstützung leisten.

    Wir müssen den Ukrainerinnen und Ukrainern helfen, sich gegenseitig durch diese schreckliche Zeit zu helfen.

    Exzellenzen, meine Damen und Herren,

    die Organisationen der Vereinten Nationen bleiben in der Ukraine und leisten dort weiter Hilfe.

    Schon vor der jüngsten Militäroffensive erreichten die humanitären Organisationen drei Millionen Menschen im Osten des Landes.

    Wir werden diese Programme nun erweitern und ausbauen und im ganzen Land neue Einsätze starten, wo immer sie benötigt werden.

    Wir und unsere Partner sind entschlossen, im Einklang mit den humanitären Grundsätzen der Neutralität, Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Menschlichkeit alle Betroffenen zu unterstützen.

    Wir bringen heute zwei Pläne auf den Weg, um den Menschen in der ganzen Ukraine und darüber hinaus zu helfen.

    In der Ukraine selbst werden 1,1 Milliarden US-Dollar benötigt, um den eskalierenden humanitären Bedarf von mehr als sechs Millionen Menschen zu decken, die in den nächsten drei Monaten von Militäroperationen betroffen sein und vertrieben werden.

    Um denen zu helfen, die aus dem Land geflohen sind, vor allem nach Polen, Ungarn, Rumänien und Moldau, beantragen wir 551 Millionen Dollar.

    Beide Pläne sehen Mittel zur Verbesserung der Versorgung mit lebenswichtigen medizinischen Versorgungsgütern, einwandfreiem Trinkwasser, Unterkünften und Schutzmaßnahmen vor.

    Sie sind aufeinander abgestimmt, ergänzen sich und können sofort umgesetzt werden.

    Ich bitte Sie dringend, diesen Appellen zu folgen, um Menschenleben zu retten.

    Exzellenzen, meine Damen und Herren,

    die Organisationen der Vereinten Nationen und unsere Partner arbeiten jetzt rund um die Uhr, um den humanitären Bedarf zu ermitteln und die Hilfe aufzustocken, insbesondere für Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

    Am Sonntag lieferte das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen die erste LKW-Ladung mit Haushaltsgegenständen für Familien in Evakuierungsunterkünften und andere Bedürftige in der Zentralukraine.

    Die Partner des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen machen mobil, um die durch diesen Konflikt verursachten psychischen und emotionalen Schäden zu behandeln. Kinder, die einen Krieg miterlebt haben, können ihr Leben lang traumatisiert sein.

    Die ersten Lieferungen des Welternährungsprogramms sind auf dem Weg von der Türkei in die Ukraine. Das Programm baut einen Nothilfeeinsatz für die Verteilung von Nahrungsmitteln, Bargeld und Gutscheinen an drei Millionen Menschen auf.

    Wir koordinieren jetzt Partnerschaften zwischen Organisationen und Gruppen inner- und außerhalb der Ukraine und bringen beträchtlich mehr Personal in das Land.

    Während wir unsere Maßnahmen verstärken, ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle humanitären Helferinnen und Helfer sicher und geschützt sind und ihnen Bewegungsfreiheit garantiert wird.

    Der ungehinderte Zugang zu allen betroffenen Menschen und Gemeinschaften muss ebenfalls gewährleistet sein.

    Ich fordere alle Seiten auf, ihren Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht nachzukommen.

    Exzellenzen, meine Damen und Herren,

    in unserem vernetzten globalen Zeitalter könnte die Krise in der Ukraine schwerwiegende Auswirkungen auf schutzbedürftige und gefährdete Menschen in der ganzen Welt haben.

    Nicht nur, weil dadurch die Mittel für humanitäre Hilfe noch weiter gestreckt werden, sondern auch, weil die Ukraine eine wichtige Quelle von Getreide ist.

    Das Welternährungsprogramm kauft mehr als die Hälfte seines Weizens in der Ukraine. Ernteausfälle könnten die Preise in die Höhe treiben und den Hunger in der Welt verschärfen.

    Dies verdeutlicht die dringende Notwendigkeit weltweiter Solidarität – nicht nur zur Finanzierung humanitärer Hilfsprogramme, sondern auch für Investitionen in den Frieden.

    Die wirksamste humanitäre Hilfe besteht darin, die Waffen zum Schweigen zu bringen.

    Jetzt und überall müssen wir mehr denn je unsere Friedensbemühungen verstärken.

    Ich danke allen Ländern, die Initiativen zur Förderung von Verhandlungen zur Ukraine ergriffen haben.

    Die Vereinten Nationen stehen zur Unterstützung bereit.

    Die Truppen müssen in ihre Kasernen zurückkehren.

    Die Staats- und Regierungsverantwortlichen müssen sich der Diplomatie zuwenden.

    Ich lege allen, die über Einfluss verfügen, eindringlich nahe, diesen Einfluss zu nutzen, um diesen sinnlosen Konflikt zu beenden.

    Ich danke Ihnen.

    * *** *