Presseaussendungen

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UNIS/SGSM/1222
28. März 2022

Der Generalsekretär

Einleitende Bemerkungen vor der Presse
zum Krieg in der Ukraine

New York, 28. März 2022

Guten Morgen, meine Damen und Herren,

ich freue mich, Sie wiederzusehen.

Ich gebe heute bekannt, dass ich in Ausübung meiner Guten Dienste Martin Griffiths, den Koordinator unserer weltweiten humanitären Tätigkeiten, gebeten habe, unverzüglich mit den beteiligten Parteien mögliche Vereinbarungen und Vorkehrungen für eine humanitäre Waffenruhe in der Ukraine auszuloten.

Seit Beginn der russischen Invasion vor einem Monat hat der Krieg zum sinnlosen Verlust Tausender Menschenleben, zur Vertreibung von zehn Millionen Menschen, vor allem Frauen und Kindern, zur systematischen Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur und zu einem sprunghaften Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise weltweit geführt.

Das kann nicht so weitergehen.

Die Vereinten Nationen tun alles in ihrer Macht Stehende, um die Menschen zu unterstützen, deren Leben durch den Krieg aus den Fugen geraten ist.

Im vergangenen Monat haben unsere humanitären Organisationen und ihre Partner neben ihrer Unterstützung für die Länder, die Flüchtlinge aufgenommen haben, fast 900.000 Menschen, vor allem im Osten der Ukraine, mit Nahrungsmitteln, Unterkünften, Decken, Medikamenten, Wasser in Flaschen sowie Hygieneartikeln versorgt.

Derzeit sind mehr als 1.000 Bedienstete der Vereinten Nationen im Land und über acht humanitäre Hilfszentren in Dnipro, Winnyzja, Lemberg, Uschhorod, Czernowitz, Mukatschewo, Luhansk und Donezk verteilt tätig.

Das Welternährungsprogramm und seine Partner haben im vergangenen Monat 800.000 Menschen erreicht und wollen ihre Hilfe bis Mitte April auf 1,2 Millionen Menschen ausweiten.

Die Weltgesundheitsorganisation und ihre Partner haben mehr als eine halbe Million Menschen in den am stärksten gefährdeten Gebieten mit medizinischen, chirurgischen und Trauma-Notfallkits versorgt.

Gerade heute hat ein Lastwagenkonvoi Nahrungsmittel sowie medizinische und andere Hilfsgüter des Welternährungsprogramms, der Weltgesundheitsorganisation, des Hohen Flüchtlingskommissariats und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen nach Charkiw gebracht, wo sie von unseren nationalen Partnern an Tausende von Menschen in den schwer betroffenen Gebieten verteilt werden sollen.

Unsere Organisationen und Partner beschaffen lebenswichtige Versorgungsgüter und richten Kanäle für die Belieferung der gesamten Ukraine in den kommenden Wochen ein.

Aber lassen Sie mich eins klarstellen. Die Lösung für diese humanitäre Tragödie ist keine humanitäre, sondern eine politische.

Ich rufe daher zu einer sofortigen humanitären Waffenruhe auf, damit in ernsthaften politischen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen auf der Grundlage der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen hingearbeitet werden kann.

Eine Einstellung der Feindseligkeiten wird die Bereitstellung lebenswichtiger humanitärer Hilfe ermöglichen und die Zivilbevölkerung in die Lage versetzen, sich sicher zu bewegen. Sie wird Menschenleben retten, Leid verhindern und die Zivilbevölkerung schützen.

Ich hoffe, dass eine Waffenruhe auch dazu beitragen wird, die globalen Folgen dieses Krieges zu bewältigen, die die tiefgreifende Hungerkrise in vielen Entwicklungsländern, die schon jetzt nicht genügend finanziellen Spielraum für Investitionen in die Überwindung der Pandemie haben und mit steigenden Kosten für Nahrungsmittel und Energie konfrontiert sind, noch verschärfen könnten.

Ich appelliere nachdrücklich an die Konfliktparteien und die gesamte internationale Gemeinschaft, sich gemeinsam mit uns in Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und auf der ganzen Welt für den Frieden einzusetzen.

Ich danke Ihnen.

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