Presseaussendungen

SG/SM/10363
OBV/540
WOM/1542
6. März 2006

Generalsekretär Kofi Annan:

Frauen müssen ihren rechtmäßigen Platz bei Entscheidungsfindungsprozessen  einnehmen

Erklärung zum Internationalen Tag der Frau, 8. März

NEW YORK, 28. Februar (UNO-Informationsdienst)  --  Am 8. März begehen die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der Frau. Aus diesem Anlass hat Generalsekretär Kofi Annan folgende Erklärung veröffentlicht:

Das Thema des diesjährigen Internationalen Frauentages - die Rolle von Frauen in der Entscheidungsfindung - ist sowohl für die Förderung der Frauen auf der ganzen Welt als auch für den Fortschritt der gesamten Menschheit von zentraler Bedeutung. Wie man der Beijinger Erklärung entnehmen kann, sind die "Ermächtigung der Frauen und ihre volle Teilnahme aufgrund von Gleichheit in allen Bereichen der Gesellschaft, einschließlich der Teilnahme im Entscheidungsfindungsprozess und der Zugang zu Macht, für die Verwirklichung von Gleichheit, Fortschritt und Frieden grundlegend". 

Die Internationale Gemeinschaft beginnt endlich ein grundlegendes Prinzip zu verstehen: Frauen sind von den Herausforderungen, die im 21. Jahrhundert an die Menschheit gestellt werden, genau so betroffen wie die Männer - bei der  wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, aber auch in Fragen von Frieden und Sicherheit. Meistens sind sie sogar stärker betroffen. Deshalb ist es richtig und notwendig, dass Frauen in allen Bereichen in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden, und zwar in gleicher Stärke und gleicher Anzahl.

Die Welt scheint nun auch zu begreifen, dass es keine effizientere Strategie zur Umsetzung von Entwicklung, Gesundheit und Bildung gibt, als die aktive Teilnahme  und Einbindung von Frauen und Mädchen. Und ich würde meinen, dass es keine bessere Strategie gibt, um Konflikte zu vermeiden oder eine Versöhnung nach beigelegten Konflikten herbeizuführen.

Wir können einige weltweite Errungenschaften bezüglich der Repräsentanz von Frauen feiern. Im Januar diesen Jahres erreichte der Anteil an Frauen in nationalen Parlamenten einen globalen Höchstwert. Zur Zeit üben elf Frauen das Amt von Staats- oder Regierungschefs aus. Außerdem gibt es in den drei Ländern, Chile, Spanien und Schweden einen gleichgroßen Anteil von Männern und Frauen in den Regierungen.  

Es muss jedoch noch viel getan werden. Der Fortschritt ist generell niedrig. Wir dürfen nicht vergessen, das in einzelnen Ländern die Beteiligung von Frauen in Entscheidungsfindungsprozessen nicht von selbst stattgefunden hat. Oft sind es  institutionelle Initiativen oder Wahlversprechen, wie etwa die Einführung von Quotenregelungen, parteipolitische Verpflichtungen oder nachhaltige Mobilmachung. Es sind auch die Ergebnisse von gezielten Maßnahmen, um das Gleichgewicht zwischen Leben und Arbeit zu verbessern. Diese Aufgaben muss jeder Staat  -- und  die Vereinten Nationen --  sehr ernst nehmen.

Auf dem Weltgipfel 2005 erklärten Politiker der ganzen Welt, dass "der Fortschritt für Frauen ein Fortschritt für alle sei". Lasst uns an diesem Internationalen Frauentag die Wahrheit hinter diesen Worten demonstrieren. Lasst uns sicher gehen, dass die Hälfte der Weltbevölkerung ihren rechtmäßigen Platz in weltpolitischen Entscheidungsprozessen auch einnehmen kann.

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