Presseaussendungen

UNIS/INF/135
4. April 2006

UNO-Generalsekretär Kofi Annan:

Das Ziel einer Welt ohne Minen könnte bereits innerhalb von Jahren erreicht werden

Erklärung zum Internationalen Tag für die Aufklärung über Minengefahr und die Unterstützung von Antiminenprogrammen

4. April 2006

Landminen sind grausame Kriegswerkzeuge. Jahrzehnte nach dem Ende von Konflikten lauern diese unsichtbaren Killer noch immer schweigend unter der Erde und warten darauf, ihr Opfer zu töten oder zu verstümmeln. Auf diese Weise fordern Schlachten des 20. Jahrhunderts auch im 21. Jahrhundert noch ihre Opfer, und jede Stunde werden es mehr.

Eine einzige Landmine - oder allein die Angst davor - kann eine ganze Gemeinde lahm legen. Sie kann Bauern davon abhalten, ihr Feld zu bestellen, oder verhindern, dass Flüchtlinge nach Hause zurückkehren oder Kinder spielen können. Sie kann humanitäre Hilfe ebenso behindern wie den Einsatz von Friedenstruppen. In Postkonfliktgesellschaften stellen Landminen eine der größten Hindernisse im Wiederaufbau dar.

Dennoch könnte diese Geißel des letzten Jahrhunderts in diesem Jahrhundert zur Erfolgsgeschichte werden. Das rasche Inkrafttreten der Konvention über das Verbot von Antipersonenminen aus dem Jahr 1997 unterstrich die deutliche moralische Verurteilung dieser Waffen. Dieser Vertrag mit seinen 150 Vertragsstaaten erzielt bereits konkrete Ergebnisse. Regierungen, Geber, nichtstaatliche Organisationen und die Vereinten Nationen befassen sich in 30 Ländern in einem noch nie da gewesenen Ausmaß mit dieser Problematik. Sowohl die Herstellung als auch der Einsatz von Minen sind rückläufig, und der weltweite Handel mit Minen ist praktisch zum Erliegen gekommen. Lagerbestände werden vernichtet, die Minenräumung wird vorangetrieben und die Aufklärung über die Minengefahr in breiterem Umfang betrieben.

Die Botschaft ist klar und muss allen zu Gehör gebracht werden: Landminen haben in einer zivilisierten Gesellschaft nichts zu suchen.

Das Ziel einer Welt ohne Minen und explosive Kampfmittelrückstände könnte wohl bereits innerhalb von Jahren erreicht werden, nicht erst in Jahrzehnten, wie wir lange Zeit glaubten. Es kann jedoch nur dann Wirklichkeit werden, wenn wir alle - Geber, die breite Öffentlichkeit und von Minen betroffene Staaten - unsere Energie und Gedanken auf die Beseitigung der Minen konzentrieren. Nachdem wir beim Minenlegen so effektiv waren, müssen wir nun bei deren Räumung noch wesentlich bessere Arbeit leisten. Mit jeder geräumten Mine kann potenziell ein Leben gerettet werden. Jede geräumte Mine bringt uns unserem Ziel näher, nämlich die Bedingungen für anhaltenden und produktiven Frieden zu schaffen.

An diesem Internationalen Tag für die Aufklärung über Minengefahr und die Unterstützung von Antiminenprogrammen fordere ich die Regierungen auf, die Konvention über das Verbot von Antipersonenminen sowie das neue Protokoll V (über explosive Kampfmittelrückstände) der Konvention über den Einsatz bestimmter konventioneller Waffen zu ratifizieren. Ich appelliere an die Geber, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erneuern, und fordere die internationale Gemeinschaft nachdrücklich auf, sich mit den humanitären und entwicklungsbezogenen Auswirkungen von Clustermunition zu befassen. Und ich verlasse mich darauf, dass die betroffenen Länder die Rehabilitation und Reintegration der Minenopfer sicherstellen und verstärkt Ressourcen für Antiminenprogramme bereitstellen. Wir sind alle auf höchster moralischer Ebene aufgefordert, dieses Übel der Landminen zu bekämpfen und zu beseitigen.

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