Presseaussendungen

UNIS/INF/221
8. August 2007

Indigene Völker leisten einen Beitrag zum Umweltschutz und zum Kampf gegen den Klimawandel:

Internationaler Tag der indigenen Völker der Welt

9. August 2007

WIEN, 8. August 2007 (UNO-Informationsdienst) -- Die diesjährige Begehung des Internationalen Tags der indigenen Völker der Welt erkennt ihren Beitrag zum Umweltschutz an.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verdeutlichte in seiner Erklärung für den Internationalen Tag: "Seit kurzem zeigt die internationale Gemeinschaft mehr Bewusstsein, dass die indigenen Völker unterstützt werden müssen - nämlich durch Begründung und Förderung internationaler Standards, wachsamer Aufrechterhaltung ihrer Menschenrechte, Einbezug in die internationale Entwicklungsagenda inklusive der Millenniums-Entwicklungsziele in Maßnahmen, Programme und Projekte auf Länderebene sowie eine Stärkung der besonderen Verantwortung der indigenen Völker bei Umwelt- und Klimawandelfragen."

Bei der Behandlung dieser Angelegenheiten und unter Bezugnahme auf das Thema der Zweiten Internationalen Dekade der indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt von 2005 bis 2015 "Partnerschaft für Aktion und Würde" erklärte der UNO-Generalsekretär: "Lassen wir uns leiten vom grundlegenden Prinzip der vollen und effektiven Teilhabe indigener Völker."

Sha Zukang, Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, hat in seiner Erklärung für den Internationalen Tag angemerkt, dass indigene Völker in einer Vielzahl von Gebieten der Welt leben, die sich durch besondere Artenvielfalt auszeichnen, und ein umfangreiches Wissen über die Gebiete erworben haben. "Mit ihrem Reichtum an Wissen über ihre Umwelt können und sollten indigene Völker eine besondere Rolle bei den weltweiten Bemühungen spielen, dem Klimawandel zu begegnen. Wir sollten ihnen zuhören", sagte Sha Zukang.

Beispielsweise nutzen indigene Völker ihr traditionelles Wissen, um die Auswirkungen von Naturkatastrophen abzumildern. Auf einem Symposium an der Universität Oxford im April dieses Jahres wurde vorgestellt, wie indigene Völker Streifen von Mangrovenwäldern dazu nutzen, die Gewalt der Tidenflut und von Tsunamis zu dämpfen. Andere Völker bedienen sich der genetischen Vielfalt bei Kulturpflanzen, um einen völligen Ernteausfall zu vermeiden und einige Gemeinschaften weichen an einen anderen Siedlungsort aus, wenn sich Katastrophen ereignen.

Die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker ist vom UNO-Menschenrechtsrat im Juni 2006 angenommen worden und wird zur Zeit von der UNO-Generalversammlung zur Annahme geprüft. Sie erkennt unter anderem an, dass der Respekt vor dem Wissen, vor den Kulturen und vor den traditionellen Praktiken indigener Völker zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt, darunter durch ein sachgerechtes Umweltmanagement.

"Die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker stellt die Mindeststandards für das Überleben, die Würde und das Wohlergehen indigener Völker dar. Viele leben noch immer unter Bedingungen, die äußerst drückend und ausgrenzend sind, und dennoch sind sie es, die Lösungen für ernste Probleme der Welt bieten, wie beim Klimawandel und beim Verlust der biokulturellen Vielfalt", stellte Victoria Tauli-Corpuz, Vorsitzende des Ständigen Forums für indigene Fragen, fest.

In Anerkennung der besonderen Verwundbarkeit indigener Völker durch den Klimawandel und ihrer entscheidenden Rolle bei der Reaktion darauf, wird sich das Ständige Forum der UNO für indigene Fragen während seiner Tagung im Jahr 2008 auf das Thema "Klimawandel, biokulturelle Vielfalt und Existenzgrundlagen: die besondere Verantwortung indigener Völker und neue Herausforderungen" konzentrieren.

Verwundbarkeit im Angesicht des Klimawandels

Viele indigene Gesellschaften sind bereits gezwungen, ihre Lebensweise an die sich ändernden Umweltbedingungen anzupassen; so zum Beispiel die Saamen, ein Volk von Rentierzüchtern in Schweden, deren Tiere aufgrund der stärker werdenden Schneefälle unter der dicken Eisschicht keine Nahrung mehr finden, oder die indigenen Gesellschaften in den Anden, wo extreme Wetterereignisse eine sichere Nahrungsversorgung gefährden.

Sheila Watt-Cloutier, eine Inuit-Aktivistin, die kürzlich von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon mit dem Mahbub ul Haq Award for Excellence in Human Development ausgezeichnet wurde, sagte: "Wir sind alle miteinander verbunden. Die Arktis mag geografisch vom Rest der Welt isoliert sein und doch steht der Inuk-Jäger, der im dünner werdenden Eis einbricht, mit den schmelzenden Gletschern der Anden und des Himalayas und auch mit der Überflutung niedrig liegender Länder und kleiner Inselstaaten in Verbindung."

Einem kürzlich erschienenen Bericht des Sekretariats des Übereinkommens über die biologische Vielfalt zufolge setzen sich mehrere indigene Gesellschaften in Alaska bereits aktiv mit Möglichkeiten der Umsiedlung auseinander, da der abtauende Permafrost und große sturmbedingte Wellen Land- und Küstenerosion verursachen. "Mehr als 80 Prozent der alaskischen Gesellschaften, die zum größten Teil aus indigenen Völkern bestehen, sind einer Gefährdung durch Küsten- oder Flusserosion ausgesetzt", warnt der Bericht.

Umsiedlung ist auch ein Thema für kleine Inselstaaten wie Vanuatu oder Samoa, denen der ansteigende Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse Probleme bereiten. Demselben Bericht zufolge musste ein vanuatisches Dorf evakuiert und einen halben Kilometer ins Landesinnere verlegt werden, weil die ursprüngliche Siedlung mittlerweile bis zu fünf mal pro Jahr überflutet wird.

In höher gelegenen Gebieten erlebt man nicht nur schmelzende Gletscher und Eiskappen - nach diesem Bericht haben einige Gebiete aufgrund von Klimawandel und Dürre bereits mit negativen Folgen für die Landwirtschaft zu kämpfen. In der Cordillera auf den Philippinen sind die 2.000 Jahre alte Reisterrassen von riesigen, 60 cm langen Erdwürmern befallen, die sich aufgrund der schwindenden Wasserversorgung stark vermehren und dafür sorgen, dass der Erdboden und die Terrassenwände noch weiter austrocknen.

Zum Internationalen Tag

Der Internationale Tag der indigenen Völker der Welt findet jedes Jahr am 9. August statt, um des ersten Treffens der Arbeitsgruppe für indigene Bevölkerungsgruppen der Vereinten Nationen im Jahr 1982 in Genf zu erinnern. Die diesjährige Begehung des Internationalen Tags bei den Vereinten Nationen wird vom Ständigen Forum für indigene Fragen, der Hauptabteilung der Vereinten Nationen für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten und dem NGO-Komitee der Internationalen Dekade der indigenen Bevölkerungen der Welt organisiert.

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Mehr Informationen
über den Internationalen Tag und Veranstaltungen am Hauptsitz der Vereinten Nationen finden Sie auf folgender Internetseite: http://www.un.org/esa/socdev/unpfii

Presseanfragen
Renata Sivacolundhu
Department of Public Information
Tel.: (+1-212) 963 2932
E-Mail: sivacolundhu@un.org

Anfragen an das Sekretariat des Ständigen Forums für indigene Fragen
Mirian Masaquiza
Tel: (+1-917) 367 6006
E-mail: IndigenousPermanentForum@un.org