Presseaussendungen

UNIS/ICPDR/006
11. September 2008

Neue ICPDR-Studie:
Donau wird sauberer - aber weiteres Engagement ist nötig

WIEN, 11. September (UNO-Informationsdienst) - Die Donau und ihre Zuflüsse werden sauberer. Das gab heute die Internationale Kommission zum Schutz der Donau (ICPDR) bei der Vorstellung der wissenschaftlichen Ergebnisse der "Gemeinsamen Donau-Studie 2" (JDS2) - der bisher wohl größten Fluss-Forschungsexpedition weltweit - bekannt.

"Die JDS2 war eine wichtige Unternehmung, die ihre Erwartungen erfüllt hat," sagte Saša Dragin, Vorsitzender der ICPDR und serbischer Minister für Land- und Wasserwirtschaft. "Sie war dazu angelegt, um eine gute Bestandsaufnahme des Zustands der Donau und ihrer Zuflüsse zu liefern, und genau das hat sie getan."

Die Untersuchung belegt, dass die Zusammenarbeit der Donau-Anrainerstaaten bei der Verringerung der Verschmutzung positive Ergebnisse erzielt. In vielen Bereichen gab es Fortschritte seit der Gemeinsamen Donau-Studie 1 im Jahr 2001. Die Wasserqualität verbesserte sich im Allgemeinen, jedoch sind weitere Anstrengungen nötig. So kann in einigen Teilen des Flusslaufes geschwommen werden, jedoch nicht überall. Menschen können die Fische ohne Gesundheitsrisiken verzehren, jedoch muss an einigen Stellen noch der Quecksilbergehalt weitergehend geprüft werden.

Die Donau wird von bemerkenswert vielen Tier- und Pflanzenpopulationen bewohnt. Die allererste systematische Untersuchung der "Hydromorphologie" (der physikalischen Eigenschaften bezüglich Gestalt, Grenzen und Inhalt) des Flusses zeigte große Gebiete, die in einem guten, natürlichen Zustand sind. Um überall derart positive Ergebnisse erzielen zu können, muss weiterhin versucht werden das ökologische Gleichgewicht in beschädigten Gebieten wiederherzustellen. Positive Beispiele für solche Anstrengungen sind die Auen in der Nähe von Wien und im Donau-Delta.

Gleichzeitig belegt die Studie, dass eine weitere Verringerung der Verschmutzung durch Nähr- und andere organische Stoffe nötig ist. Nach wie vor zeigt die Donau flussabwärts großer Städte und in einigen Zuflüssen Anzeichen für Degradation aufgrund schlechter kommunaler Wasseraufbereitung. Vor allem in Städten wie Budapest, Belgrad und Bukarest ist es notwendig, die Errichtung von Abwasseraufbereitungsanlagen zu beschleunigen. Einige Länder müssen ihre Kontrollen - gerade von Industrieanlagen an den Hauptzuflüssen - erhöhen. Generell muss die Verschmutzung (mit Nährstoffen und Pestiziden) durch die Landwirtschaft weiter abnehmen. Zudem benötigen einige toxische Gefahrenherde mehr Aufmerksamkeit.

Auch Bereiche für zukünftige Forschungen und Untersuchungen sind identifiziert wurden. So sollen der Quecksilbergehalt in einigen Proben, vor allem im Fisch, geprüft werden und die Herkunft der Verschmutzung an einigen Zuflüssen ermittelt werden. Auch die große Anzahl nicht-heimischer Fische und anderer Organismen in der Donau muss genauer untersucht werden.

Philip Weller, ICPDR-Exekutivsekretär sagte: "Es muss jetzt noch intensiver über Maßnahmen mit allen Beteiligten - wie Schifffahrts- und Landwirtschaftsektor, Wasserenergie- und Waschmittelindustrie - diskutiert werden. Das kooperative Klima, mit dem viele Beteiligte das Problem angehen, muss erhalten bleiben."


 

Hintergrundinformationen zur Gemeinsamen Donau-Studie 2 (Joint Danube Survey 2)

Die JDS2 startete am 14. August 2007 in Regensburg, Deutschland. Insgesamt wurden 2.600 Kilometer der Donau untersucht. 2.415 Kilometer davon wurden von drei Booten der JDS2 abgedeckt, die von Kelheim in Deutschland bis ins Donau-Delta in Rumänien und der Ukraine bis Ende September fuhren. Dabei durchquerten sie zehn Staaten. Die Forscher entnahmen Proben an 96 Stellen der Donau sowie an 28 Stellen der Hauptzuflüsse. Zudem wurden zehn Städte besucht, um dort auf das Problem aufmerksam zu machen.

Hauptziel der Untersuchung war hochverlässliche und vergleichbare Informationen über die Wasserqualität und Verschmutzung der gesamten Donau und viele seiner Zuflüsse zu erstellen. Wasserverschmutzung ist eine zentrale Problematik im Flussgebiet. Regierungen der Anrainer-Staaten müssen vernünftige Maßnahmen gegen eine weitere Verunreinigung und für ein gesundes Ökosystem Donau ergreifen. Nur so können sie ihre Verpflichtung erfüllen, die sie im Jahr 1994 mit der Unterzeichung des Übereinkommens zum Schutz der Donau eingegangen sind.

Auch wird es ihnen helfen, den Anforderungen der Wasser-Rahmenrichtlinie der Europäischen Union genüge zu tun. Diese ist die möglicherweise strengste Wasser-Gesetzgebung der Welt. Ziel ist es sicherzustellen, dass Flüsse und Seen bis zum Jahr 2015 einen "guten chemischen und ökologischen Status" aufweisen. Das bedeutet, dass sie sauberes Wasser, aber auch gute Wanderungsrouten und Lebensräume für ihre natürliche Flora und Fauna bereitstellen können. Viele Fische brauchen zum Laichen beispielsweise Sandbänke - ein Lebensraum, den es an einem vollständig vom Menschen ausgebauten Flussabschnitt kaum gibt, auch wenn er klares Wasser führt.

Nach dem Ende der Expedition untersuchten Wissenschaftler in ganz Europa die Proben vom Wasser und Sediment sowie von Pflanzen, Fischen und anderer Wasserlebewesen; dies mit Unterstützung hunderter weiterer Personen, die Rohdaten lieferten, mit deren Hilfe ein vollständiges Bild der Wasserqualität erstellt werden konnte. Diese Arbeit führte schließlich zu einem "Wissenschaftlichen Abschlussbericht" und einem praktischen Dokument mit dem Titel "The Joint Danube Survey 2: Research Expedition and Conclusions", die heute veröffentlicht wurden.

Die JDS2 wurde unterstützt von den Donau-Anrainer-Staaten, der Europäischen Kommission, der Alcoa-Stiftung, der Dexia Kommunalkredit Bank und Coca-Cola Hellenic.

Für weitere Informationen besuchen sie: www.icpdr.org/jds

Hintergrundinformationen zur ICPDR

Die Internationale Kommission zum Schutz der Donau (ICPDR) ist eine internationale Organisation aus 13 Staaten und der Europäischen Union. Seit der Gründung im Jahr 1998 hat sie sich zu einer der grössten und aktivsten internationalen Körperschaften im Bereich des Flussgebiets-Management entwickelt. Ihre Aktivitäten beschränken sich nicht nur auf die Donau selbst, sondern decken auch ihre Zuflüsse und Grundwasser im gesamten Flussgebiet ab.

Das oberste Ziel der ICPDR ist es, das Übereinkommens zum Schutz der Donau umzusetzen. Dafür unterstützt und koordiniert sie nachhaltiges und gerechtes Wasser-Management, inklusive Naturschutz- oder Wassernutzungsmaßnahmen zum Vorteil aller Anrainerstaaten und deren Bevölkerung. Die ICPDR verfolgt ihre Ziele unter anderem indem sie Empfehlungen zur Verbesserung der Wasserqualität abgibt, Mechanismen für Flut- und Unfallkontrolle entwickelt, Richtwerte für Emissionen festlegt und sicherstellt, dass sich diese auch in der jeweiligen nationalen Politik und Gesetzgebung widerspiegeln.

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Pressekontakt:

Paul Csagoly
International Commission for the Protection of the Danube River
Telefon: (+43-1) 26060-4373
Mobiltelefon: (+43-676) 845 200 290
Email: paul.csagoly@unvienna.org
Internet: www.icpdr.org