Presseaussendungen

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UNIS/SGSM/323
7. März 2012

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon:

"Die Energie, das Talent und die Stärke von Frauen und Mädchen
stellen die wertvollste ungenutzte natürliche Ressource der Menschheit dar"

Botschaft zum Internationalen Frauentag
8. März 2012

WIEN, 8. März (UNO-Informationsdienst) - Die Gleichstellung der Geschlechter und die Emanzipation von Frauen gewinnen weltweit immer mehr an Bedeutung. Heute gibt es sowohl mehr weibliche Staats- und Regierungschefs als auch mehr Ministerinnen in Regierungen als je zuvor. Frauen üben einen noch nie da gewesenen Einfluss auf die Geschäftswelt aus. Mehr Mädchen gehen zur Schule, wachsen gesünder auf und erkennen besser ihr Potential.

Trotz dieser Tendenzen muss noch ein langer Weg zurückgelegt werden, bevor Frauen und Mädchen in den vollen Genuss ihrer angeborenen Grundrechte von Freiheit und Menschenwürde kommen, die ihr Wohlbefinden garantieren. Nirgendwo ist das so offensichtlich wie in den ländlichen Regionen der Welt. Frauen und Mädchen im ländlichen Raum - welchen der diesjährige Internationale Frauentag gewidmet ist - machen ein Viertel der Weltbevölkerung aus. Sie befinden sich immer wieder am unteren Ende aller wirtschaftlichen, sozialen und politischen Indikatoren, vom Einkommen und der Bildung bis zur Gesundheit und der Teilnahme an Entscheidungsprozessen.

Mit beinahe einer halben Milliarde Kleinbäuerinnen und landlosen Arbeiterinnen, stellen Frauen in ländlichen Regionen einen wesentlichen Teil der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte dar. Zusätzlich leisten sie den überwiegenden Teil unbezahlter Pflegearbeit. Dennoch werden Frauen weiterhin davon abgehalten, ihr Potential auszuschöpfen. Wenn Frauen aus dem ländlichen Raum den gleichen Zugang zu produktiven Resourcen hätten, dann würden landwirtschaftliche Erträge um vier Prozent ansteigen, die Nahrungsmittel- und Ernährungsicherheit würde gestärkt und 150 Millionen Menschen würden vom Hunger befreit werden. Wenn man ihnen eine Chance geben würde, dann könnten Frauen aus ländlichen Regionen mithelfen, die oft verborgene Entwicklungstragödie von Untergewicht und Wachstumsstörungen, die beinahe 200 Million Kinder weltweit betrifft, zu beenden.

Diskriminierende Gesetze und Praktiken betreffen nicht nur Frauen, sondern ganze Gemeinschaften und Nationen. In Ländern, in denen es für Frauen an Landbesitzrechten oder Zugang zu Krediten mangelt, leiden deutlich mehr Kinder an Unterernährung. Es macht keinen Sinn, dass Bäuerinnen nur fünf Prozent der landwirtschaftlichen Unterstützung erhalten. Investitionen in Frauen aus ländlichen Regionen sind eine intelligente Investitionen in die Entwicklung eines Landes.

Die Not von Frauen und Mädchen im ländlichen Raum spiegelt die Situation Frauen und Mädchen in der gesamten Gesellschaft wider - von der bestehenden gläsernen Decke bis zur Allgegenwärtigkeit von Gewalt zuhause, bei der Arbeit und in Konflikten; von der Bevorzugung der Söhne bei der Ausbildung bis zu den Hundertausenden Frauen, die jedes Jahr bei der Geburt sterben und einfache Geburtshilfe benötigten. Sogar in jenen Ländern mit den besten Daten gibt es noch immer Unterschiede bei der Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit und bei der Repräsentanz von Frauen in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen.

An diesem Internationalen Frauentag, fordere ich Regierungen, die Zivilgesellschaft und den Privatsektor auf, sich für die Gleichstellung und die Stärkung von Frauen einzusetzen - als ein grundlegendes Menschenrecht und als Garant zum Wohle aller. Die Energie, das Talent und die Stärke von Frauen und Mädchen stellen die wertvollste ungenutzte natürliche Ressource der Menschheit dar.

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