Presseaussendungen

UNIS/INF/239
Hintergrundinformationen
20. September 2007

Notwendigkeit eines neuen weltweiten Abkommens über den Klimawandel

Kurzübersicht

Als ein moderater erster Schritt in die richtige Richtung hat das Kyoto-Protokoll von 1997 bereits geholfen, Treibhausgas-Emissionen in mehreren Industriestaaten zu stabilisieren und in einigen Fällen zu verringern. Allerdings gelten die Ziele des Kyoto-Protokolls zur Emissionssenkung nur für eine Gruppe von 36 Industriestaaten und decken nur einen Teil der weltweiten Emissionen ab. Die erste verbindliche Periode des Protokolls läuft nach dem Jahr 2012 aus.

Die schnelle Zunahme von Emissionen in Industrie- und Entwicklungsstaaten läuft den erreichten Emissionsverringerungen der Gruppe der Industriestaaten, die das Protokoll ratifiziert haben, zuwider. Ohne ein ehrgeiziges neues Abkommen, wird es schwierig werden, in die Emissionen von Industrie- und Schwellenländern einzugreifen. Es ist deshalb wichtig, die Verhandlungen für ein weltweites Abkommen über den Klimawandel für die Zeit nach dem Jahr 2012 voranzutreiben.

Die Ziele des Kyoto-Protokolls zur Emissionssenkung für Industriestaaten laufen nach 2012 aus. Allerdings decken die Emissionsverringerungen des Kyoto-Protokolls nur einen Teil der weltweiten Emissionen ab. Die Emissionen von Industriestaaten bewegen sich auf einem unnachhaltigen Niveau und die Emissionen von Transformationsstaaten - nicht zuletzt von Ländern der ehemaligen Sowjetunion - sind nach Jahren einer Abwärtskurve wieder in die Höhe gegangen. Während die Emissionen pro Kopf in Entwicklungsstaaten relativ niedrig sind im Vergleich zu den Industriestaaten, muss der schnelle Zuwachs an Emissionen in den großen Schwellenländern in einem neuen weltweiten Abkommen zusammen mit denen der Industriestaaten behandelt werden.

Mit der Zunahme der wissenschaftlichen Belege in bezug auf den Klimawandel und seiner Auswirkungen, gibt es auch ein stärkere Einsicht um die Dringlichkeit für verstärktes internationales Handeln. Obwohl die erste verbindliche Periode des Kyoto-Protokolls nicht vor dem Jahr 2008 beginnt, muss ein neues Abkommen zum Klimawandel schnell verabschiedet werden.

Die Herausforderungen

Verwundbare Entwicklungsstaaten

Da Entwicklungsstaaten ein geringeres Einkommen als Industriestaaten haben, sind Entwicklungsstaaten verwundbarer gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Sie haben auch eine geringere Fähigkeit, sich an diese Folgen anzupassen als Industriestaaten. Während die Emissionen von Entwicklungsstaaten im ganzen steigen, sind die Emissionen pro Kopf weitaus geringer als in Industriestaaten. Das absolute Emissionsniveau in den meisten Entwicklungsstaaten ist sehr niedrig. Das nächste globale Abkommen muss den Bedürfnissen der Entwicklungsstaaten Sorge tragen, während es die wirtschaftlichen Interessen der Industriestaaten schützt.

Umfangreiche Emissionssenkungen sind notwendig

Treibhausgase werden überall zwischen 25 und 90 Prozent bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Niveau von 1990 zunehmen. Starke Senkungen ohne die Weltwirtschaft zu untergraben sind möglich durch schnelle und erhebliche Förderung und Entwicklung von klimafreundlichen Technologien - erneuerbare Energien und neue Technologien wie die Kohlenstofffilterung und -lagerung. Solche Technologien erweitern die Optionen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen und somit für eine internationale Zusammenarbeit.

Zentrale Punkte für die Verhandlungen

Mögliche Verhandlungsthemen

  • Während es noch zu früh ist, um die genaue Ausgestaltung eines zukünftigen Klimaabkommens vorherzusagen, ist es möglich, die Leitprinzipien und -punkte zu bestimmen, die in einem erweiterten Klimaregime erhalten sein sollten. Ein starkes multilaterales Abkommen bis zum Jahr 2009 abzuschliessen - eines, das den Weg für die kommenden Jahrzehnte bestimmt - stellt eine große Herausforderung dar. Ein angemessener Zeitplan ist allerdings möglich. Die Konferenz über den Klimawandel in Bali im Dezember 2007 stellt eine Gelegenheit dar, die weitgespannte Agenda der Klimapolitik für die Jahre nach 2012 entscheidend voranzubringen. Die Grundprinzipien sollten während des Jahres 2008 festgesetzt werden und im Jahr 2009 sollte die Weltgemeinschaft ein Abkommen schließen, damit es bis 2012 ratifiziert wird.
  • Das Klimaregime nach 2012 muss erweitert werden, um zu erlauben, dass allen Aspekten einer weltweiten Lösung Sorge getragen wird. Unter anderem sollte es folgendes beinhalten:
  • eine langfristige weltweite Reaktion, die im Einklang mit den jüngsten wissenschaftlichen Ergebnissen steht und vereinbar mit langfristigen Investitionsplanungsbedarfs der Wirtschaft ist;
  • erhebliche Emissionssenkung in den Industriestaaten, die auch weiterhin die Führung übernehmen müssen im Einklang mit ihrer historischen Verantwortung und ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten;
  • ein weiteres Engagement der Entwicklungsstaaten, vor allem von solchen, deren Emissionen bereits oder in naher Zukunft erheblich zur Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre beitragen;
  • Anreize für Entwicklungsstaaten, um ihre Emissionen zu begrenzen, und Unterstützung zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, während gleichzeitig das sozioökonomische Wachstum und die Ausrottung der Armut sicher gestellt werden;
  • Flexibilität durch einen erweiterten Kohlenstoffmarkt, um eine höchst kosteneffiziente Umsetzung sicherzustellen und Ressourcen zu mobilisieren, die nötig sind, um Anreize den Entwicklungsstaaten zur Verfügung zu stellen.

Der Einstieg

Die G8 zusammen mit fünf Entwicklungsstaaten - Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika - haben alle Vertragsstaaten aufgerufen, aktiv und konstruktiv an den Verhandlungen für ein umfassendes Abkommen in Bali teilzunehmen. Dieses Jahr gibt der Welt die Möglichkeit, sich konstruktiv für einen multilateralen Klimaprozess unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zu engagieren und gemeinsam ein effektives und faires Abkommen, das alle berechtigte Interessen und Belange umfasst, zu schaffen.

Hochrangige Veranstaltung zum Klimawandel

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat zu einer informellen hochrangigen Veranstaltung in New York am 24. September 2007, dem Tag vor der Generaldebatte in der UNO-Generalversammlung, eingeladen, um einen Meinungsaustausch zu ermöglichen und den politischen Willen für die Konferenz in Bali festzuzurren. Obwohl informell gehalten wird sich die Veranstaltung darum bemühen, den Stellenwert herauszustreichen, dass der Klimawandel auf einem globalen Forum behandelt wird. Die Veranstaltung wird auch eine Möglichkeit sein, alle Länder in den multilateralen Prozess einzubeziehen.

 

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