Presseaussendungen

UNIS/SGSM/073
14. Oktober 2008

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon:

"Wir müssen tiefe und systematische Reformen in Betracht ziehen"

Erklärung zur weltweiten Finanzkrise

WIEN, 14. Oktober (UNO-Informationsdienst) - Die weltweite Finanzkrise trifft die Weltwirtschaft hart. Die konzertierte Aktion der Finanzminister der betroffenen großen Volkswirtschaften und des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington vom vergangenen Wochenende mit dem Ziel, Vertrauen in die Finanzmärkte wiederherzustellen, ist lobenswert, aber ein koordinierterer Ansatz, darunter eine direkte Intervention der Regierungen der größten Volkswirtschaften, ist notwendig, um das Bankensystem zu sanieren und die Sparguthaben der Bürger zu garantieren.

Ich bin tief besorgt über die Auswirkungen der Krise auf die Entwicklungsländer, insbesondere auf die Ärmsten der Armen und den erheblichen Rückschlag, den sie auf die Bemühungen zum Erreichen der Hauptziele haben wird. Die Initiativen der Weltbank und des IWF zur Bereitstellung neuer Liquidität im Notfall für arme Staaten könnte dabei helfen, einigen Konsequenzen der Krise entgegenzuwirken. Es muss aber mehr getan werden.

Bei den Vereinten Nationen müssen wir eine sofortige multilaterale Aktion in Betracht ziehen, um die Auswirkungen der jüngsten Ereignisse auf die Entwicklungsagenda der Organisation zu lindern, und dabei die ganze Bandbreite von der Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele bis zur Lebensmittel- und Energiekrise ebenso wie den Klimawandel abdecken. In diesem Zusammenhang glaube ich fest daran, dass uns die Entwicklungskonferenz im kommenden Monat in Doha eine wichtige Gelegenheit gibt, Entwicklungen zu überprüfen und sicherzustellen, dass die gegenwärtigen Finanzschwierigkeiten die Verpflichtungen nicht untergraben, die bereits eingegangen sind, um mehr Hilfen und andere Finanzressourcen zum Erreichen der international vereinbarten Entwicklungsziele bereitzustellen.

Derweil ist die Ad-hoc-Art, mit der Regierungen auf das Management der Krise reagieren müssen, ein Spiegel der ernsthaften Lücken des gegenwärtigen Finanzsystems. Um weiterhin Stabilität sicherzustellen und die wirtschaftlichen Gewinne der Industrie- und Entwicklungsstaaten zu schützen, müssen wir tiefe und systematische Reformen in Betracht ziehen, die auf einen umfassenden Multilaterismus des globalen Finanzsystems beruhen und den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser entsprechen.

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